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Mortiers Absage an New York : Das erste kulturelle Opfer der Krise

Zwei Jahre Arbeit für nichts: Gerard Mortier Bild: AFP

Ein aufregendes Abenteuer wird vereitelt: Mangels Sponsoren konnten Gerard Mortier an der City Oper von New York nur sechzig Prozent des zugesagten Etats garantiert werden. Nun geht er - für die Stadt ein Desaster.

          Die Finanzkrise bringt von Tag zu Tag mehr amerikanische Kulturinstitutionen in Bedrängnis. An diesem Wochenende hat sie die New York City Opera erreicht und so ein aufregendes Abenteuer, das von Grund auf das städtische Musikleben umkrempeln sollte, vereitelt. Gerard Mortier wird nicht im nächsten Jahr die Leitung des Hauses übernehmen. In einem Gespräch mit dieser Zeitung führte er seine Absage auf die desolate finanzielle Lage der City Opera zurück, die sich seit dem Zusammenbruch an der Wall Street noch dramatisch verschärft habe. Während ihm vertraglich ein jährliches Budget von sechzig Millionen Dollar zugesichert worden sei, hätte er, nach dem letzten Angebot des Aufsichtsrats, seine erste Spielzeit mit 36 Millionen über die Runden bringen müssen. Davon wären für Fixkosten 34 Millionen zu entrichten gewesen. Mit dem Rest hätte er beim besten Willen kein künstlerisch anspruchsvolles Programm bieten können.

          Jordan Mejias

          Feuilletonkorrespondent in New York.

          Mortier will als Vergleich wahrlich nicht die dreihundert Millionen Euro heranziehen, die ihm als Direktor der Pariser Oper zur Verfügung stehen. Aber um der City Opera, die seit Jahrzehnten nach Profil sucht und dabei immer wieder am Rand des Ruins stand, wieder einen Platz unter den maßgeblichen Häusern des Landes und vielleicht sogar der Welt zu verschaffen, hätte er doch ein wenig mehr gebraucht, als etwa der Oper in Trier zur Verfügung stehe. Zuletzt konnte der Intendant Paul Kellogg immerhin noch 43 Millionen ausgeben. Die City Opera hat zurzeit fünfzehn Millionen Dollar Schulden. In den vergangenen Wochen wurden Mitarbeiter entlassen, und wer bleiben durfte, musste bisweilen auf sein Gehalt länger warten, als es im Vertrag stand.

          Dem Aufsichtsrat zu riskant

          Als Kompromiss hatte Mortier vorgeschlagen, das versprochene Budget um zehn Prozent zu kürzen und zudem einen Kredit über achtzehn Millionen Dollar aufzunehmen, in der Hoffnung, dass seine Eröffnungsspielzeit ein rauschender Erfolg werde und dadurch auch Sponsoren anrege, größere Schecks auszustellen. Diese Strategie aber war dem Aufsichtsrat, in dem die wichtigsten Geldgeber der Oper sitzen, zu riskant. Obwohl Mortier dem Haus bereits sechs Millionen Dollar durch Vorträge, Fundraising Dinners und Cocktails erschmeichelt hat. Die Geldsuche der eigens dafür angestellten Spezialisten war weniger erfolgreich.

          Doch das eigentliche Problem ist die Finanzkrise. Susan L. Baker, die Aufsichtsratsvorsitzende, auf deren inständiges Werben hin Mortier sich zum Umzug nach New York entschlossen hatte, erklärte gegenüber dieser Zeitung, am Ende habe sie den Ausschlag gegeben: „Der Boden ist uns unter den Füßen weggebrochen.“ Und das just nachdem Mortier den Aufsichtsrat von seinem weiß Gott nicht an eine Hitparade erinnernden Spielplan überzeugen konnte. Im September, als er den versammelten Geldgebern dessen endgültige Version vorlegte, schienen die Hindernisse endlich weggeräumt.

          Eine kulturelle Katastrophe

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