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Michael Nyman zum Siebzigsten : Wie der Ohrwurm ins Piano kam

  • -Aktualisiert am

Michael Nyman Bild: dpa

Er gilt als Pionier der Minimal Music, als gewiefter Filmkomponist und als einer, der E- und U-Musik miteinander versöhnt. Dem britischen Komponisten Michael Nyman zum siebzigsten Geburtstag.

          Zum Komponieren musste er erst zurückfinden. Michael Nyman, in London geboren, hatte zwar schon in den Sechzigern an der Royal Academy of Music und am King’s College studiert, wo man ihm die Musik des sechzehnten Jahrhunderts nahebrachte. Doch zur rationalismusgläubigen Musik der Gegenwart, die damals in Europa vom Serialismus beherrscht wurde, hatte er keinerlei Zugang.

          Zunächst arbeitete er zwölf Jahre als Musikkritiker, veröffentlichte ein wegweisendes Buch über John Cage und setzte sich publizistisch für die Gegenseite ein: für jene Strömungen, die einen Weg jenseits von Darmstadt und Donaueschingen suchten. In seinen Artikeln machte Nyman den Begriff „minimal music“ populär, noch bevor er selbst 1976, durch eine Bühnenmusik zu Carlo Goldonis „Il Campiello“ am National Theatre, zum Komponisten wurde und sich ebendieser Richtung anschloss.

          Bald galt er, neben Philip Glass und John Adams, als Hauptvertreter der „minimal music“, die ihre hypnotische Wirkung dem Prinzip der Wiederholung verdankt, einer scheinbar unveränderten Wiederkehr überschaubarer motivisch-thematischer Einheiten.

          Keine Trennung von E- und U-Musik

          Dieses Komponieren in „patterns“, die in Stil und Harmonik in der tonalen Lingua franca der Spätromantik und des Neoklassizismus verwurzelt sind, schien wie geschaffen für das Kino. Mit der ohrwurmträchtigen Filmmusik zu Jane Campions „Das Piano“, die sich über zwei Millionen Mal verkaufte, vor allem aber mit seinen Partituren zu den Filmen von Peter Greenaway wurde Nyman zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten seit Erich Wolfgang Korngold.

          Michael Nyman wurde 1944 in London geboren. Heute ist er der breiten Öffentlichkeit vor allem durch seine Filmmusik für den Film „Das Piano“ bekannt.

          Anders als Korngold hat er freilich nie zwischen einer Gebrauchsmusik für die Leinwand und einer ästhetisch höher stehenden Kunstmusik unterschieden - Nyman bleibt seinem Personalstil auch in mittlerweile zahlreichen Stücken für Konzertpodium und Bühne treu, wie schon sein vielgespielter Opernerstling beweist: „The Man Who Mistook His Wife For A Hat“, nach Oliver Sacks.

          Dass eine Trennung von E- und U-Musik nicht seine Sache ist, lässt sich auch an weiteren Werken Nymans ablesen, etwa einem Zyklus von sechs Celan-Gedichten für Ute Lemper oder der „Musique à Grande Vitesse“ zur Feier einer neuen TGV-Verbindung nach Paris. An diesem Sonntag wird Michael Nyman siebzig Jahre alt.

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