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Maren Kroymann im Gespräch : Muss Leistung schön sein?

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Na ja, sinnlich passierte in meinem protestantischen Umfeld und während der Schulzeit im humanistischen Gymnasium wirklich nicht viel. Wenn dann so ein Schlager- oder Rocksänger wie Elvis Presley kam und mit frecher Direktheit seine Sexualität und sein Begehren geäußert hat, war das schon toll. Daheim war die Hochkultur – also suchte ich mir draußen das Triviale. Daheim gab es immer gesundes Essen. Also ging ich manchmal heimlich auf den Marktplatz zur einzigen Tübinger Imbissbude, wo immer die Alkoholiker und, wie man früher sagte, die Asozialen herumstanden. Dort aß ich eine Wurst und dachte mir: Wahnsinn! Das ist Großstadt!

Ihre Eltern wären wohl nicht ganz zufrieden mit Ihrer Karriere?

Mein Vater ist leider so früh gestorben, dass er sie nicht mitgekriegt hat. Aber meine Mutter hat bei meinem ersten Bühnenprogramm festgestellt, dass es gut ist, und dann hat sie mich sehr bestärkt. Im Prinzip jedoch war Unterhaltung, war Fernsehen in einer Familie wie der unseren degoutant. In Stuttgart entdeckte ich irgendwann die Puffgegend und schaute mich neugierig um. Wie gesagt, alles, was nicht akzeptiert war, hat mich natürlich interessiert. Schlager und Fernsehunterhaltung waren von der damaligen bildungsbürgerlichen Warte her im Grunde auch wie Puff. Ekelhaft! Das Letzte! Tja, und was tue ich heute? Ich singe Schlager und mache Fernsehen.

Um es mit dem Wiener Bohemien Peter Altenberg zu sagen: „Es ist traurig, eine Ausnahme zu sein. Aber noch viel trauriger ist es, keine zu sein.“

Also, ein „Anderssein“ in der Unterhaltungsbranche kann man immer auch als Unprofessionalität deuten. Zum Beispiel bin ich manchmal unprofessionell, weil ich in Talkshows gehe, um eine Produktion, bei der ich mitwirke, zu promoten, und dann vergesse ich aber, Werbung zu machen, weil ich zu sehr in das Thema eingestiegen bin. Oft bin ich in einer Sendung auch die Einzige, die nichts zu promoten hat, weil ich nur wegen des Themas da bin. Das macht man eigentlich nicht. Aber ich hab gemerkt, dass die Zuschauer darauf sehr positiv reagieren – und die Redaktionen freuen sich natürlich auch, wenn sie nicht immer dieselben abgelaberten Selbst-Lobbyisten dabeihaben. Ich verstoße also gegen die Regeln der Selbstvermarktung und besetze dadurch eine Marktlücke. Absurder Vorgang, oder? Aber so kann ich meine Gedanken in die Welt setzen und muss nicht Geschichten aus meinem Privatleben preisgeben. Außerdem bin ich sowieso überzeugt davon, dass man nicht alles vermarkten muss.

Ihre Comedy-Show „Nachtschwester Kroymann“, die 1993 in der ARD begann, wurde 1997 nach nur neunzehn Folgen sang- und klanglos abgesetzt. Warum?

Offen geredet hat mit mir darüber niemand. Aber die ARD-Chefs standen nicht zu dieser Sendung, das habe ich dann gemerkt. Da konnte mir selbst meine mutige Redaktion bei Radio Bremen nicht helfen. Auch Doris Dörrie musste noch 2010 im ZDF hart um ihre Miniserie „Klimawechsel“ kämpfen, die eine Satire zwar über Frauen, aber eben aus weiblicher Sicht ist. Gedanklich eigenständige Frauen kommen im Fernsehen bis heute eher selten vor. Und ihr Humor, gerade wenn er scharf und frech ist und die allgemein zugestandene Schmunzelebene verlässt, erst recht nicht. Zur Zeit von „Nachtschwester Kroymann“ hatte im öffentlich-rechtlichen Fernsehen keine andere Frau eine eigene Sendung – bis auf die Volksmusikszene natürlich. Dagegen gab es so einen Trend zu Sendungen von Travestiekünstlern wie Lilo Wanders oder Dame Edna. Besonders populär war Mary ohne Gordy. Der gängige Kommentar lautete: „Mensch, die hat ja schönere Beine als jede Frau!“ Mary zeigte das, was Frauen zu jener Zeit nicht mehr ungebrochen präsentieren wollten und konnten: Pumps, Beine, Po, falsche Wimpern, Big Hair. Männer, die Frauen spielten, waren eine willkommene Alternative zu den anstrengenden emanzipierten Frauen.

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