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Manfred Maurenbrecher wird 70 : Schreibt Texte, singt auch

  • -Aktualisiert am

Hat Glück gehabt: Manfred Maurenbrecher Bild: Ullstein

Zum aufrechten Liedermacher war er politisch zu wenig bissig und für einen Schlagersänger nicht Fuzzi genug. Doch wer ihn in jüngerer Zeit gehört hat, merkt: Da ist etwas gereift. Zum Siebzigsten von Manfred Maurenbrecher.

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          So richtig berühmt war er eigentlich nie. Nach Gründen dafür befragt, könnte er in seinen Schnurrbart nuscheln, was der Blues-, Jazz- und Folkmusiker Mose Allison auf die Frage antwortete, warum er kein Star geworden sei: „Ich habe eben Glück gehabt.“ Manfred Maurenbrecher hatte in ähnlicher Weise Glück, durch alle Raster zu fallen. Ein aufrechter Liedermacher? Dafür war er politisch zu wenig bissig. Als Rockmusiker? Nicht ausreichend glamourös. Und als Schlagersänger? Nicht Fuzzi genug. Aber von allem etwas zu besitzen hat ihm eine respektable Karriere seit jenen Tagen beschert, als man von einer neuen Welle sprach, weil Popmusiker plötzlich das Rockgenom auch in deutschen Texten entdeckten.

          Damals, in den siebziger und achtziger Jahren, blühte das Liedgut in allen Farben des Regenbogens. Nenas Luftballons stiegen fröhlich in den blauen Himmel, derweil der Ambros-Wolfgang seine kernige Leck-mi-am-Oasch-Pose einnahm. Hannes Wader intonierte seinen apokalyptischen „Talking Böser Traum Blues“, während Herman van Veen das einfache rosarote Liebeslied in seinen eigenen Tränen ertrinken ließ. Damals wurde der Berliner Klavierspieler Manfred Maurenbrecher nach eigenem Zeugnis von Herwig Mitteregger und der Gruppe Spliff nebst notorischem Jim Rakete „eingeschleust in das Labyrinth der Profi-Unterhalter“. Seine Vorbilder waren so weit entfernt voneinander wie Hanns Dieter Hüsch von Leonard Cohen. Aber von Beginn an spürte man in seinem musikalischen Mittelweg zwischen gutgemeintem Protestsong und gutverkauftem Schlager eine gewisse Skepsis dem Betrieb gegenüber.

          Maurenbrechers Songpoetik blieb immer unterschwellig, uneindeutig, nachhallend, nachfragend. War das alles, was man zwischen all den schaukelnden Klavierakkorden zu hören bekam? Hatte man in diesen so harmlos wirkenden Reimen über Da Die Da Du etwas nicht mitgekriegt? Seine Beobachtungen des Alltags besaßen nichts Voyeuristisches oder Denunziatorisches, eher etwas Privates. Dazu passten auch die Stolpersteine in seinen Songtexten, als wolle der an Literatur interessierte, Romane schreibende, über Hans Henny Jahnn promovierte Liedermacher partout nicht aufs Podest gestellt werden.

          So hat er all die Jahre nach ersten Erfolgen mehr mit bedächtigen Tourneen und intimen Auftritten, Kleinkunstpreisen und noblen Anerkennungen statt mit der Sammlung Goldener Schallplatten verbracht. Vergleicht man aber seine etwas indifferente Stimme von damals mit dem kratzbürstigen Tonfall aus jüngerer Zeit, dann fühlt man, da ist etwas in der Stille gereift. Und denkt: Da könnte noch etwas kommen. Nach seinem Siebzigsten, den er an diesem Samstag feiert.

          Derzeit sind von Manfred Maurenbrecher bei Youtube dann und wann „Worte und Töne aus der Quarantäne“ zu hören. „Damit das ganze weitergeht“, wie der Künstler schreibt.

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