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Mozarts Requiem in Aix : Von der Majestät des Schreckens

  • -Aktualisiert am

Unperfekter Laientanz vor einer aussterbenden Art: dem Auto Bild: Pascal Victor

Beim Festival in Aix-en-Provence bringt Romeo Castellucci das Requiem von Wolfgang Amadeus Mozart auf die Bühne – als Lebenstanz mit Dinosauriern.

          Es wirkt ungemein anregend, an einem heißen Sommertag in Aix mit Wolfgang Amadeus Mozarts Melodien im Ohr eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst zu besuchen. Das Musée Granet zeigt noch bis 13. Oktober eine Retrospektive mit Werken von Fabienne Verdier. In einem frappierenden Filmprojekt sieht man die Künstlerin, wie sie mit einem riesigen Pinsel die Schwingungen eines neben ihr gespielten Streichquartetts direkt in Bewegung und Farbe auf Leinwand umwandelt. In zwei großformatigen Werken, „Suite provençale“, huldigt sie Darius Milhaud, dem aus Aix stammenden Komponisten, der beim Opernfestival leider zu wenig aufgeführt wird. Die Verlinkung des „Festival d’art lyrique“ mit moderner Kunst war noch von Bernard Foccroulle, dem Vorgänger Pierre Audis, initiiert worden.

          Das Miteinander von „klassisch“ und „modern“ wird auch manifest in dem 2013 eröffneten Conservatoire Darius Milhaud. Der Bau des japanischen Architekten Kengo Kuma – in Frankfurt schuf er das weiß-textile Teehaus im Garten des Museums für angewandte Kunst – beherbergt einen großzügigen, mit viel Holz gestalteten Konzertsaal mit ausgezeichneter Akustik. Für das diesjährige Mozart-Konzert im Conservatoire hatten neun Sängerinnen und Sänger der Festival-Akademie ein Programm zusammengestellt, das sich durch Ensemblegesang ebenso hervorhob wie durch Konzertarien. Das Orchester Pygmalion unter seinem Dirigenten Raphaël Pichon forderte die jungen Sänger zum aktiven Musizieren. Energisch in den schnellen, spannungsvoll in den getrageneren Tempi agierend, hat sich das Ensemble der historischen Aufführungspraxis verschrieben. Dazu gehören der gedämpfte, zugleich konturierte Klang der Hörner, die hölzerne Wärme der Traversflöten.

          Die Arie „Parto, ma tu, ben mio“ aus Mozarts Oper „La clemenza di Tito“ war nicht nur in der gesanglichen Darbietung von Adèle Charvet superb. Vor allem der Klarinettist José-Antonio Salar-Verdú – gleichberechtigter Solist neben der Sängerin – begriff seinen Part als quasi menschliche Stimme von höchster Ausdruckskraft. Der dänische Tenor Eric Ferring ersang sich die ungeteilte Liebe des Publikums mit Taminos Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“. Sein voller, runder Ton entfaltete sich mühelos, und die leidenschaftlich ernstgenommene musikalische Gestaltung ließ uns das Entzücken Taminos über das Erkennen seiner Liebe zu Pamina so unmittelbar erfahren, als hörten wir es zum allerersten Mal.

          Eine Montage zum Thema Mozart und der Tod

          Die Eleganz des ehemaligen erzbischöflichen Palais in dem warmen Ockerton, der blaue Nachthimmel, in dem die letzten spitzen Rufe der Mauersegler einander jagen, bilden die perfekte Atmosphäre für einen Opernabend, bei dem die Gesangskunst im Zentrum steht. Seit der Gründung des Opernfestivals 1948 mit einer Aufführung von Mozarts „Così fan tutte“ im Théâtre de l’Archevêché war Mozart in Aix eine Art Leitstern, der das Publikum auch durch den Reiz des Neuen bezauberte. Im Unterschied zu Verdi waren Mozarts Opern in Südfrankreich damals praktisch unbekannt!

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