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Ludwig Güttler zum Siebzigsten : Trompeter für die Frauenkirche

Streitbegabt und durchsetzungsfähig: Ludwig Güttler Bild: dpa

Der Trompeter und Dirigent Ludwig Güttler, in der DDR aufgewachsen, wurde schnell in ganz Deutschland zum gefeierten Solisten. Besonders verdient machte er sich um die Musik der Barockzeit. An diesem Donnerstag wird er siebzig Jahre alt.

          Reinhold Andert, der damals noch so aussah wie Wigald Boning heute, hinterließ der sozialistischen Singebewegung der DDR ein Lied, das weniger zum Klassenkampf als zum Kulturpatriotismus einlud: „Kennst du das Land mit seinen alten Eichen? Das Land von Einstein, von Karl Marx und Bach?“

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          In diesem Umfeld „von Karl Marx und Bach“ wuchs auch Ludwig Güttler auf. Dass er noch zum 7. Oktober 1989 von Dresden nach Berlin beordert wurde, um - gegen seinen Willen - beim Staatsakt zum vierzigjährigen Bestehen der DDR Trompete zu blasen, hatte sicher nicht allein damit zu tun, dass das „Lied vom kleinen Trompeter“ über den 1925 ermordeten Rotfrontkämpfer Fritz Weineck das Lieblingslied Erich Honeckers war. Vielmehr damit, dass Johann Sebastian Bach längst zum kulturellen Ankergrund ebenjenes Staates erklärt worden war.

          Ein gesamtdeutsches Phänomen

          Mit dem Neuen Bachischen Collegium Musicum in Leipzig hatte Güttler ab den siebziger Jahren vielbewunderte Aufnahmen von barockem Repertoire gemacht. Auch das Ausland wurde hellhörig: Wuchs da ein deutscher Maurice André heran? Womöglich. Aber Güttler war geistig beweglicher, technisch neugieriger als der große Franzose. Er zögerte wohl, sich mit historischen Klangerzeugern auseinanderzusetzen, entwickelte aber mit dem Instrumentenbauer Friedbert Syhre ein modernes Ventilhorn, das in der Lage war, die Partien des barocken Corno da caccia annähernd wiederzugeben. Güttler, der auch eigene Ensembles gründete, darunter die Virtuosi Saxoniae, gelang als Dirigent und Solist für die Musik der Barockzeit so etwas wie die Vermittlung zwischen den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis und dem alltäglich gewachsenen Musizieren sächsischer Kantoreien. Sein Landsmann Peter Schreier hat als Tenor und Dirigent Ähnliches versucht.

          Ludwig Güttler ist früh ein gesamtdeutsches Phänomen geworden. Seine Schallplatten waren zur Zeit der Teilung auch im Westen gefragt. Die Musikwoche im niedersächsischen Hitzacker an der Elbe leitet er. Als Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Wiederaufbaus der Frauenkirche Dresden und Kurator der Stiftung Frauenkirche hat er sich, streitbegabt, durchsetzungsfähig, mit Erfolg für den Wiederaufbau der großen Bürgerkirche in Sachsens Residenz starkgemacht. Dort wird er am Donnerstag, dem 13. Juni, ein Festkonzert geben. Dann ist nämlich sein siebzigster Geburtstag.

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