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Luciano Pavarotti : Das hohe und das hohle C

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Typisch, daß gerade die Magazine, die das Monumentalgemälde des Grandissimo gemalt hatten, ihn alsbald als „Pavarotti Inc.“ oder als „ego-driven performer“ verurteilten. Seiner Massenwirkung konnte diese Kritik nichts mehr anhaben. Sein Ruhm erreichte einen neuen Gipfel, als die BBC einige Wochen vor der Fußballweltmeisterschaft in Italien bei der Suche nach einem Siegessong auf die nächtliche Hymne des Kalaf aus Puccinis „Turandot“ stieß. Sie endet auf dem Wort „vincero“, „ich werde siegen“. Endet auf einem hohen H, das zwar als kurze Durchgangsnote geschrieben ist, von Pavarotti aber in der knapp zwanzig Jahre zuvor entstandenen Aufnahme der Oper sechs Sekunden lang gehalten wird. Alsbald erschien Pavarottis Gesicht bartumrahmt, die strahlenden Augen von dichten Brauen bebuscht, die Zähne glitzernd, mit einem kußrunden „vin-ceeeeeeee-roooooo“ auf den riesigen Bildwänden.

Am Tag vor dem Endspiel fand er sich in den Thermen des Caracalla mit den beiden anderen führenden Tenören zu einem höheren Jux der Kunst zusammen: mit Jose Carreras, der seine Leukämie-Erkrankung überwunden hatte, und mit Placido Domingo. Mario Dradi, der italienische Manager von José Carreras, hatte die drei Sänger mit einem „flat fee“ geködert: 300 000 Dollar, damals eine exorbitante Summe im Klassik-Geschäft. Vor lauter Entzücken über die höchste Gage ihres Lebens vergaßen die Sänger, ihre Finanzberater und Vertragsanwälte zu Rate zu ziehen. Die CD wurde elf Millionen Mal verkauft, und es waren Manager Dradi und die Plattenfirma Decca, die Millionen scheffelten.

Das Trauma von Carreras

Die Firma soll, wie Herbert Breslin später in „The King & I“ berichtete, den wütenden Pavarotti mit 1,5 Millionen Dollar besänftigt und damit Placido Domingo in Rage versetzt haben - der Spanier bekam weniger; er habe, wie Breslin insinuiert, stets unter dem Trauma Pavarotti gelitten.

Beim Drei-Tenöre-Dacapo im Dodger Stadium von Los Angeles im Jahr 1994 ging es nicht mehr um ein 300 000-Dollar-Trinkgeld. Wie bei einer Versteigerung überboten die Firmen einander, um die neue CD herausbringen zu können. Jeder der drei Tenöre soll zwei Millionen Dollar erhalten haben, der Dirigent Zubin Mehta nur eine Million. Auch wenn es den Gesetzen der Marktwirtschaft widerspricht: Beim Ausverkauf stiegen die Preise.

Fortan sangen die drei überall in der Welt und „Vincero“ im Terzett. Breslin, der die Leitern für Pavarottis Abstieg in den Ruhm aufgestellt hat, richtete später den Scharfblick des Hasses auf den berühmtesten seiner Klienten. Er beschreibt ihn als faulen, gierigen, verfressenen, lüsternen Burschen; als einen Sänger, der unfähig oder zu faul ist, neue Rollen zu lernen, und überdies anfällig für jeden nur denkbaren Obskurantismus; er bedient sich der billigen Mittel der biographischen Bescheidwisserei - und oft auch des infamsten Innuendo über sexuelle Affären und steuerliche Tricksereien -, um den Star vom Sockel zu stürzen.

Vom Sänger zum Clown

Auch wenn diese Karriere ein Abstieg war, vom Sänger zum Clown, vom Können zum Ruhm, hat Pavarotti doch seine sängerischen Qualitäten erstaunlich lange konserviert. „Ohne Stimme“, so sagte er, „ist man nichts, mit Stimme ist man längst noch nicht wer.“ Seine Stimme hatte wenig von ihrem Zauber verloren, als er sie für den faulen Zauber der Arena-Konzerte auszubeuten begann.

Auch in den achtziger und in den frühen neunziger Jahren hatten sich ins Gesicht der Stimme nur wenige Altersfalten eingegraben. Nur Connaisseurs merkten, daß er die korrekte Lautung der Vokale zugunsten eines indifferenten Mischklangs - von Phoniatern als „Schwa-Laut“ bezeichnet - preisgab; oder wie schwer es ihm fiel, eine hohe Note sauber und ohne ein heftiges Nachstoßen von Luft zu beenden. Aber auch wenn die Kronjuwelen - die hohen Töne - nicht mehr funkelten wie einst, so blieb der Pavarotti-Klang lange erhalten.

Und die Bilanz dieser von Weltruhmesglanz besonnten Karriere? Luciano Pavarotti hat sich zur Stimme der Globalisierung gemacht.

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