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Kulturbetrieb unter Druck : Wie geht es weiter in Sachsen?

  • -Aktualisiert am

5. Juni in Dresden: Ein Banner mit der Aufschrift „Ohne uns ist Stille“ ist vor Beginn einer gemeinsamen Demonstration von Künstlern, Veranstaltern und Unternehmen der Veranstaltungsbranche an einem Bauzaun vor der Semperoper auf dem Theaterplatz ausgehängt Bild: dpa

Die Semperoper, das Gewandhaus, die Musikfestivals in Gohrisch und Moritzburg – alle versuchen, trotz Corona ihre Zukunft zu planen. Doch das ist nicht so einfach.

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          Für Peter Theiler sollte es die erste Uraufführung seiner Intendanz an Dresdens Semperoper werden, für Dmitri Schostakowitsch wären es in der Sächsischen Schweiz demnächst sogar zehn Uraufführungen gewesen. Postum, versteht sich. Aber weder kommt jetzt „Die andere Frau“ von Torsten Rasch auf die Bühne, noch werden die im Moskauer Komponisten-Archiv aufgespürten Frühwerke und Bearbeitungen zu den Internationalen Schostakowitsch-Tagen in Gohrisch erklingen.

          Die Opernsaison ist beendet, und das für Anfang Juli geplante Festival fällt aus. Dabei hatte dessen Initiator und Künstlerischer Leiter, Tobias Niederschlag, bis zuletzt gehofft. „Natürlich ist das kein schönes Gefühl, denn wir haben wie in jedem Jahr viel Herzblut in dieses Projekt gesteckt. Doch unter den bestehenden Vorgaben sind unsere Konzerte in Gohrisch nicht zu realisieren.“

          Es soll etwas geboten werden

          Dort, wo 1960 Schostakowitschs achtes Streichquartett während eines Kuraufenthalts entstand, wird in einer umgebauten Scheune gespielt; Aufwand und Nutzen hätten sich mit den aktuellen Abstandsregeln nicht in Einklang bringen lassen, internationale Gäste wie das Quatuor Danel und das Borodin-Quartett hätten kaum anreisen können, die Absage war nur konsequent. Niederschlag übt sich aber jetzt schon in Zuversicht für das kommende Jahr: „Es sieht so aus, dass viele der Künstler 2021 nach Gohrisch kommen und wir einen Großteil des Programms nachholen können. Es ist uns wichtig, die zehn in diesem Jahr geplanten Schostakowitsch-Uraufführungen auch in Gohrisch zu realisieren, es sieht sehr gut aus, dass dies gelingt.“

          Im Hauptberuf ist Tobias Niederschlag Leiter des Konzertbüros beim Leipziger Gewandhausorchester. Baubedingt wäre die Spielzeit dort ohnehin etwas kürzer ausgefallen. Dem Publikum soll dennoch etwas geboten werden. Bis Mitte Juli sind Konzerte im kleinen Mendelssohn-Saal vor bis zu achtzig Besuchern mit Kompositionen von Mendelssohn über Mieczysław Weinberg bis zu HK Gruber geplant. Darunter auch Uraufführungen von Lera Auerbach und Steffen Schleiermacher sowie eine Sinfonia von Carl Philipp Emmanuel Bach, die seit 1740 nicht mehr aufgeführt worden ist. Das erste Konzert fand am vergangenen Sonntag statt. Eine sehr originelle Idee sind zudem sogenannte Gartenkonzerte, die unter den Abonnenten verlost werden, was höchste Exklusivität verspricht.

          Irgendwie muss die Coronazeit überbrückt werden: Blick auf die Dresdner Altstadt mit Frauenkirche, Ständehaus, Hofkirche, Rathaus, Hausmannsturm, Residenzschloss und Semperoper
          Irgendwie muss die Coronazeit überbrückt werden: Blick auf die Dresdner Altstadt mit Frauenkirche, Ständehaus, Hofkirche, Rathaus, Hausmannsturm, Residenzschloss und Semperoper : Bild: dpa

          Die kann ein Haus wie die Semperoper so natürlich nicht bieten. Immerhin ist es nun für die künstlerischen Ensembles wieder geöffnet. Der Intendant Peter Theiler geht davon aus, dass sich das öffentliche Leben peu à peu normalisieren werde: „Wir sind ein Kulturunternehmen, das davon lebt – und auch dafür lebt –, dass es sich öffentlich präsentiert und mit den Gegebenheiten unserer Welt auseinandersetzt, mit Werten, die in unseren Stücken verhandelt werden, dass es Position bezieht zum Leben und auch zu Vorgängen, die uns alle betreffen.“

          Bei allem Verständnis für die Einschränkungen in den zurückliegenden Monaten sieht er aber auch „kaum zu unterschätzende Einbrüche im persönlichen Selbstverständnis unserer Künstlerinnen und Künstler.“ Theater sei schließlich eine Zeitkunst und könne nicht in jedem Fall um zwei, drei Jahre aufgeschoben werden, da manche Konzepte und Projekte eben nur zu einem konkreten Zeitpunkt passen würden. Aktuell aber weiß niemand, wie lange der jetzige Zustand anhalten wird. Dem hält Theiler entgegen: „Es ist ja nicht so, dass wir nichts tun. Hier wird kontinuierlich weitergearbeitet. Wir spielen halt nicht und befinden uns seit Wochen in einem Modus der eingeschränkten Arbeit.“

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