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Kürzungen beim SWR : Rettet eure Rundfunksinfoniker!

  • -Aktualisiert am

Ein Spitzenensemble für die ältere wie für die neueste Musik: Das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg spielt Hans Zenders „logos-fragmente“ Bild: Charlotte Oswald

Das klingt nicht zusammen: Der SWR plant eine unsinnige Fusion seiner Orchester in Stuttgart, Freiburg und Baden-Baden.

          Am Wochenende wurden sie noch dreimal umjubelt: in Hiroshima, in Kanazawa und in Fukuoka. Die Musiker des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg befinden sich auf einer neuntägigen Japan-Tournee. Viermal traten sie in Tokios berühmter Suntory Hall auf, ferner in Osaka und Nagoya. Auf dem Programm, auf Wunsch der japanischen Gastgeber, zwei große Werke der abendländischen Musikgeschichte: Beethovens „Eroica“ und Mahlers „Fünfte“ mit dem Adagietto. Dirigent François Xavier Roth und das Orchester sind beeindruckt und begeistert über die großartige Aufnahme beim japanischen Musikpublikum.

          Sie können diesen Beifall dringend gebrauchen: als Trost. Denn zu Hause ziehen dunkle Wolken auf. Der Haussender Südwestrundfunk (SWR) hat mit Hilfe einer Unternehmensberatung die nähere Zukunft durchgerechnet - und prompt ein Sparprogramm für alle Abteilungen entworfen. Dass dabei die beiden rundfunkeigenen Sinfonieorchester, das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden/Freiburg und das Radio-Sinfonieorchester Stuttgart, die besondere Aufmerksamkeit der Prüfenden erregten, nimmt nicht wunder: Eine orchestrale Hundertschaft samt Chefdirigent und anhängender Logistik kostet nun einmal mehr als etwa die Hörspielredaktion. Das war von Anfang an so und ist nichts Neues.

          Die Orchester kommen ihrer ursprünglichen Aufgabe nach

          Die entscheidenden Kriterien aber sind nicht mit Rotstiften zu beschreiben, sondern müssen auf den sogenannten Kulturauftrag projiziert werden. Als man die Rundfunksinfonieorchester in den ersten fünf Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entweder neu gründete oder, wie etwa beim hessischen Rundfunk in Frankfurt, sozusagen reaktivierte, wurden die drei wichtigsten Aufgaben für die Orchester festgelegt: Wiederaufbereitung der im Krieg zerstörten oder veralteten Schallarchive mit neu eingespielten Werken der tradierten Musikliteratur. Dann, gleichsam als ästhetische Wiedergutmachung und künstlerische Reparationsleistung, die Wiederaufführung der im „Dritten Reich“ verfemten Komponisten und ihres Schaffens. Und drittens: die engagierte Beschäftigung mit der jeweils neuen und neuesten Musik.

          Dieser dreifachen Aufgabe kommen die Radio-Sinfonieorchester in der Regel bis heute nach, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität. Für die Neue Musik setzten drei Orchester die „Leuchttürme“: das Bayerische Sinfonieorchester mit der bis heute florierenden „Musica viva“-Reihe; die Sinfoniker des Westdeutschen Rundfunks mit den ebenfalls bis heute lebendigen „Musik der Zeit“-Konzerten; und ebendas SWR-Orchester, das bei den 1950 wiederbelebten Donaueschinger Musiktagen die zentrale Rolle übernahm. Alle drei Orchester können in ihren Archiven und Dokumentationen auf Hunderte von Ur- und Erstaufführungen von Komponisten aus aller Welt verweisen.

          Ein reduziertes Ensemble begeistert allenfalls Laien

          Die genannten Ensembles leisteten und leisten einen unschätzbaren Beitrag zur Musikkultur unserer Zeit, den nur sie - und selbstverständlich auch die hier nicht erwähnten übrigen Rundfunksinfonieorchester - zu leisten imstande sind. Wer in die Partituren moderner Komponisten Einblick nimmt, die oft komplizierten Notationen und komplexen Strukturen mit schweigender Verwirrung betrachtet, ahnt doch, dass aus diesen Notentexten die Musik nur mit äußerster Ruhe und Geduld, mit hohem Fachwissen und perfekter Instrumentenbeherrschung entbunden werden kann. Wer nun einwendet, ja warum schreiben die Komponisten denn nur so schwieriges Zeugs, das so viel Arbeit macht, stellt die falsche Frage: Die heutigen Komponisten nutzen die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten und reagieren mit ihren Werken auf eine sich immer weiter verkomplizierende Welt. Nur wenn ihnen das gelingt, erreicht ihre Musik Glaubwürdigkeit, weil in ihr die Spannungen der Zeit, in der wir alle leben, im Klang erfahrbar werden. Dass dieser Prozess ein entsprechendes Zuhören der Rezipienten verlangt, versteht sich von selbst; als Begleitgeräusch ist sie untauglich. Schon Beethoven beklagte sich einmal darüber, dass den Leuten der „Geist“ fehle, seine Kompositionen zu begreifen.

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