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Konzert im Vatikan : Töne, die den Papst bewegen

  • -Aktualisiert am

Applaus: Dem Papst hat's gefallen Bild: dpa/dpaweb

Was schenkt man einem Papst? Am besten ein Konzert. Die Münchner Philharmoniker unter Christian Thielemann spielen für den Heiligen Vater - und die Regensburger Domspatzen singen den Chor.

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          Was schenkt man einem Papst? Diesem Mann, der alles haben kann, aber persönlich schon von Berufs wegen ziemlich bedürfnislos ist, schenkt man am besten ein Konzert. So muß man bei der Stadt München gedacht haben, als die famose Idee aufkam, den früheren Erzbischof der Stadt zu ehren und an seiner jetzigen Wirkungsstätte in Rom zu erfreuen.

          Die Münchner Philharmoniker unter Christian Thielemann spielen also für den Heiligen Vater. Dieses Arrangement in der riesigen Audienzhalle des Vatikans ist zwar nicht neu, denn schon Johannes Paul II. liebte zuweilen solche Kulturevents. Doch handelt es sich bei dessen Nachfolger um einen Deutschen und einen erklärten Musikliebhaber - wahrlich Grund genug für eine stolze Festlichkeit, die auch ins deutsche Fernsehen kommt. Daß der Papst mit Georg Ratzinger zudem einen Bruder hat, der dreißig Jahre den ältesten Chor der Christenheit (gegründet im Jahr 975) leitete und achtbare Sakralmusik komponierte, vervollständigte das Programm quasi von selbst.

          Bewegte Brüder

          Ebenjene Regensburger Domspatzen sangen den bewegten Ratzinger-Brüdern gleich zu Beginn ein jubelndes „Sanctus“ aus einer lateinischen Messe des Papstbruders über das Geistliche Jahr - hochkomplexe und doch harmonische Vokalpolyphonie, deren vielschichtige Harmonien ein wenig an den zu Unrecht vergessenen Lorenzo Perosi erinnerten, jenen einstweilen letzten päpstlichen Hausmusiker von Weltrang, der in den zwanziger Jahren gleichfalls einen Bruder - freilich nur als Kardinal - in der Kirchenführung hatte. Ein anderer Papstkapellmeister, Giovanni Pierluigi da Palestrina, hatte bereits vor einem Halbjahrtausend feste Bande zwischen München, wo er lange wirkte, und dem Heiligen Stuhl geknüpft. Seiner klaren, das Wesentliche betonenden Stimmführung, die mit den Manierismen der flämischen Hofmusik aufräumte, verdankte die römische Kirche in den Wirren der Reformation einst einen großen propagandistischen Schub - nachzuvollziehen im Kyrie der Marcellus-Messe, bei dem den bayrischen Knabenstimmen keine Nervosität anzuhören war.

          Regensburgs Domspatzen im Vatikan

          Und so spielten die Domspatzen und Thielemann mit ihrem raffinierten Programm immer wieder musikalisches Pingpong quer durch die christlich-europäische Kulturhistorie. Da gab es etwa Felix Mendelssohn-Bartholdys Motette „Denn er hat seinen Engeln befohlen“, gemütvolles Werk eines zum Luthertum konvertierten Juden aus Deutschland, dessen Lebensgang und Rezeptionsgeschichte so symbolhaft sind für unsere Geschichte. Das „Tu es Petrus“, hier dem aktuellen Nachfolger Petri ins Ohr gesungen, des ungarischen Abbes Franz Liszt infizierte danach den schlichten Glauben mit Sinnlichkeit, mit nervösem Streicherflackern und Fanfarenschall - Heilsgeschehen als Gesamtkunstwerk. Das Schwergewicht des Abends vor siebentausend geladenen Gästen - darunter die komplette, gerade in Rom tagende Synode der Weltkirche - bildeten dann die beiden Vorspiele zu Hans Pfitzners „Palestrina“.

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