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Berlin: Weinberger und Britten : Räume, Träume, Purzelbäume

  • -Aktualisiert am

Frühlingsstürme: Tansel Akzeybek (als Ito) und Vera-Lotte Boecker (als Lydia Pawlowska) umringt von Tänzern der Komischen Oper Berlin. Bild: Freese/drama-berlin.de

Doppelpremiere in Berlin: Bei Jaromír Weinbergers „Frühlingsstürmen“ an der Komischen Oper und Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ an der Deutschen Oper geht es eben so turbulent wie poetisch zu.

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          Der Ton ist leicht, aber die Gelehrsamkeit nicht völlig zu verbergen. Ein Zitat des Tristanakkords mischt sich in den Fluss der Musik; wie bei Giacomo Puccini vermengen sich Sentiment und Finesse; ein oft dichtes Netz an Nebenstimmen – eher ungewöhnlich für die Operette – sorgt für eine Schwere, die sich deutlich in Richtung der großen Schwester neigt: zur Oper. Jaromír Weinberger, der 1896 in Prag geboren wurde, verstand sein Handwerk, und nicht leicht scheint es ihm gefallen zu sein, einen Teil davon zu vergessen für seine Operette „Frühlingsstürme“. An der Komischen Oper Berlin wurde sie nun aus der Versenkung geholt.

          Die „Frühlingsstürme“, uraufgeführt am 20. Januar 1933 im Berliner Admiralspalast und damit zehn Tage vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten, war Weinbergers erste Operette. Berühmt geworden war der Komponist, der unter anderem bei Max Reger in Leipzig studiert hatte, mit einer Oper, die in kürzester Zeit Weltkarriere machte und in der Saison 1929/30 das meistaufgeführte Stück an deutschen Opernhäusern war: „Schwanda, der Dudelsackpfeifer“.

          Auch „Schwanda“ wird in dieser Saison an der Komischen Oper zu sehen sein, im März wird Andreas Homoki das volkstümliche Stück inszenieren, Ainars Rubikis, der Generalmusikdirektor wird die musikalische Leitung übernehmen. Ganz entschieden will Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper, Weinberger und sein Schaffen wieder ins Gedächtnis zurückrufen. 1938 musste der jüdische Komponist vor der Bedrohung durch die Nationalsozialisten in die Vereinigten Staaten fliehen, obwohl „Schwanda“ auch an der New Yorker „Metropolitan Opera“ aufgeführt worden war, fasste Weinberger nur schwer Fuß in Amerika, versuchte nach dem Krieg auch, wieder Kontakte in Europa zu knüpfen und wandte sich schließlich zunehmend der geistlichen Musik zu. 1967 nahm er sich das Leben.

          Da stehen die Russen in der Mandschurei

          Den Auftakt des Weinberger-Schwerpunktes in dieser Saison übernimmt Barrie Kosky als Regisseur selbst, wobei nicht wenige Hürden zu überwinden sind, um die „Frühlingsstürme“ wieder auf die Bühne zu bringen. Überliefert sind von dem Stück, das zwei Monate nach der Uraufführung von den neuen Machthabern schon wieder abgesetzt wurde, nur der Klavierauszug und Tonaufnahmen einiger Musiknummern. Norbert Biermann rekonstruierte daraus eine Orchesterfassung, die auch dramaturgische Eingriffe umfasst. So wird ein Liebesduett im dritten Akt zum Quartett der beiden Liebespaare erweitert, ein formaler Kniff, der durchaus im Sinne Weinbergs, des opernerprobten Komponisten, erscheint. Die Handlung bleibt gleichwohl operettenhaft: Im Hauptquartier der russischen Armee, in der Mandschurei während des russisch-japanischen Krieges, spielt sich ein abwechslungsreiches Liebes- und Spionagestück ab. General Katschalow, der Oberkommandierende, liebt die gleiche Frau wie sein Diener, Major Ito, der zugleich ein japanischer Spion ist. Verhaftungen wechseln sich mit Befreiungsaktionen, Losungswörter werden erpresst, mittendrin Lydia Pawlowska, die am Kriegsschauplatz allen Männern den Kopf verdreht und gleich zu Beginn, zum Innehalten vor dem Großangriff, der für den nächsten Tag geplant ist, eine Champagnerparty gibt.

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