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„Mephisto“ in Frankfurt : Wenn man vom Teufel spricht

Schwach war vor allem der Auftakt der Inszenierung, die berühmte Ballszene im Berliner Opernhaus, die hier beispielhaft erkennen lässt, worin die dramaturgischen Tücken einer Romanadaption liegen. Da wurde erst gar nicht versucht, die Beschreibungen aus dem Buch in Bühnensituationen aufzulösen, sondern die meist in indirekter Rede geschilderte Handlung vom Ensemble eins zu eins vorgetragen. Dass der Abend in der zweiten Hälfte an Fahrt gewann, lag auch an den Schauspielern, die sich nach gut einer Stunde freigespielt hatten. Und auch das Stück drang nach der langen und sattsam bekannten Vorgeschichte endlich vor zu Pudels Kern.

Szene aus „Mephisto“.
Szene aus „Mephisto“. : Bild: Arno Declair

Bei Christoph Pütthoffs Höfgen kam es dabei zu dem kuriosen Effekt, dass der Frankfurter Schauspieler mit seinem flächigen Gesicht dem jüngeren Brandauer verblüffend ähnlich sieht, er die Rolle dann aber ganz anders anlegte als dieser in István Szabós oscarprämierter Verfilmung von 1981. Pütthoff zeigt die Figur gerade nicht von Anbeginn als diabolischen Charakter und skrupellosen Opportunisten wie im Roman, sondern führt ihn ein als hochbegabten, hochsensiblen, mit sich hadernden Schauspieler, dem der mokante Höfgen-Ton und sein „aasiges Lächeln“ noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen sind. Die Verführung zeigt Pütthoff als schleichenden Prozess, hier wird einer vom Spieler zum Zyniker, und seine Begabung, die Strömungen der Zeit früher als andere zu wittern, führt ihn erst allmählich in die schmutzige Karriere. Er hätte sich immer auch anders entscheiden können, selbst noch im Pariser Exil. Doch als er dort die aus Deutschland Vertriebenen einsam, ziellos und unbeachtet durch die Stadt irren sieht, beschließt er die Rückkehr; fortan gibt es nur noch Verrat und Vereisung der Gefühle.

Die anderen Schauspieler des Abends haben Mehrfachrollen übernommen. Melanie Straub lässt als Höfgens kantige Ehefrau Barbara Bruckner, die Tochter aus bildungsbürgerlichem Elternhaus, unschwer Erika Mann erkennen, die schon vor der Emigration und der vom Gatten angezettelten Scheidung über das Ritual mit einem Frühstücksei Höfgen aufs eleganteste zu demütigen versteht. Fridolin Sandmeyer als junger Schauspieler Miklas arbeitet aus dessen Psychopathologie heraus, warum einer immerzu auf der falschen Seite stehen kann, zum Nazi wird in der Weimarer Republik, zum NS-Gegner im Dritten Reich. Und auch Anna Kubin als gefeierte, dann verjagte jüdische Schauspielerin Dora Martin hat ihre Momente. Über solche Momente aber kommt der Abend nur selten hinaus. Die Inszenierung hat sich gegen die historische Ausstaffierung ebenso entschieden wie gegen eine aufdringliche Aktualisierung. Doch was die Intention ist, bleibt bis zuletzt offen – womöglich ist es ja die zeitlose Erkenntnis, dass die Wandlungsfähigkeit eines medialen Stars einen Deal mit dem Bösen überhaupt erst möglich macht und seine Angst, in die Bedeutungslosigkeit zu fallen, diesen für ihn so bitternötig.

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