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Theaterserie zum Dating : Reden wär mir nicht so lieb

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Szene aus der Online-Dating-Theaterserie: Zeitfüreinander Bild: Zeitfuereinander

Alle fünf Minuten sehnt sich jemand aus dem Home-Office heraus nach Zuwendung: Die Schauspiel-Serie „Zeit füreinander“ handelt vom Kennenlernen auf Distanz.

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          Langsam hat man ja wirklich genug von all den Meldungen, die von noch einer Festival-Absage berichten. So viel Negativität ist gerade im Umlauf, so viele Berichte von Dingen, die nicht geschehen, von Vorhängen, die nicht aufgehen. Da empfindet man es als ein umso größeres Glück, wenn dann doch etwas stattfindet.

          In aller vorgeschriebenen Isoliertheit haben sich zehn Schauspieler von fünf unterschiedlichen Theatern zusammengefunden, um eine kleine Webserie über Dating in Zeiten von Social-Distancing zu drehen. Die Problemlage ist offensichtlich: Wer nur mit dem eigenen Hausstand spazierengehen darf, der trifft keine potentiellen Liebespartner mehr. Also muss er oder sie sich zu Hause einen möglichst vielversprechenden Hintergrund für die Laptop-Kamera überlegen, das Mikrophon am weißen I-Phone-Kopfhörer testen und sich bei einer Zoom-Dating Plattform anmelden. Zum Beispiel bei „zeitfüreinander.com“, wo man sein Gegenüber in fünfminütigen Konversationsslots kennenlernen und von etwaigen Gemeinsamkeiten überzeugen kann. Bei einer so kurzen Zeit spielt der Hintergrund natürlich eine herausragende Rolle. Er kann seinem Namen hier einmal wirklich gerecht werden und weiterführende Auskünfte über den Charakter und Seelentyp des Kandidaten geben. Das, was hier im Hintergrund zu sehen ist, steht gewissermaßen stellvertretend für eine ganze Existenz.

          Lolitaliebhafte Langstreckenpilotin

          Bei Thorsten zum Beispiel sind da ein Rennrad und eine Gitarre zu sehen. Soll heißen: Hier spricht ein Leistungssportler mit Gefühl. Bei Hinnerk, dem Biologen, hängt ein Nick-Cave-Plattencover an der Wand, und eine Zimmerpflanze ragt ins Bild – das ist der gemütliche, eher melancholische Typ. Beim kinderliebenden Makler Steven ist eine gut aufgeräumte Sofaecke zu sehen, bei der lolitaliebhaften Langstreckenpilotin Colette stapeln sich die Kuscheltiere, beim angeberisch angetrunkenen Filmregisseur hingegen die Bücher, bei der Beziehungscoachin Meike steht ein Kirschblütenstrauß mit handbemalten Eiern in der Ecke, bei der asexuellen Japanisch-Übersetzerin ist nur eine weiße Wand zu sehen. Und dann ist da noch der niedergelassene HNO-Arzt aus München in seiner Praxis, Emma, die ein Kaschmir-Label gegründet hat, mit dem halben Bilderrahmen im Rücken, und Miro, die junge Frau mit der Autoimmunkrankheit, vor einem spektakulären virtuellen Weltall-Hintergrund.

          Sie alle sind auf der Suche. Sie alle präsentieren sich im besten Stehlampenlicht. Und hoffen inständig darauf, dass am Ende die andere Seite des Bildschirms ja sagt zu einem Wiedersehen. Fünf Runden à fünf Minuten bietet jede Folge. Bei manchen Paarungen ahnt man sofort, dass sich hier zwei gefunden haben könnten, bei anderen geht das Gespräch furchtbar schief. Und manche drehen erst angestrengt Schleifen, um dann doch kurz vor Schluss völlig unerwartet noch auf ein gemeinsames Thema zu kommen. Es gibt unterschiedliche Signalwörter, an denen sich die Charaktere während ihrer Gespräche festklammern wie an Felsvorsprüngen: „herrlich“, sagt zum Beispiel die Kaschmir-Designerin bei jeder Gelegenheit, „ah krass“ oder „wenn ich fragen darf“ der Biologe. Der Angeberregisseur begrüßt jedes Mal mit einem „Hey, grüß Dich“, der HNO-Arzt mit einem neurotischen „Können Sie mich hören?“, um dann nervös anzuschließen mit: „Schön, dass das geklappt hat, Mensch, ich freu mich.“

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