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Kölner Oper : Warum soll Birgit Meyer gehen müssen?

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Hier wird doch keine Intrige auf dem Programm stehen? François-Xavier Roth und Birgit Meyer am 24. Mai 2016 auf dem Weg zur Spielplan-Pressekonferenz der Oper Köln Bild: Imago

Mitten in der Pandemie verfügt die Oberbürgermeisterin, dass der Vertrag der Opernintendantin nicht erneuert wird, obwohl der rechtsrheinische Notbetrieb andauert und der Vertrag mit dem Chefdirigenten gerade verlängert wurde.

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          Hat François-Xavier Roth den Beruf verfehlt? In den Augen von Elias Canetti, dem klassischen Theoretiker der Kapellmeisterschaft, gibt es „keinen anschaulicheren Ausdruck für Macht als die Tätigkeit des Dirigenten“. Der Generalmusikdirektor der Stadt Köln bekannte jetzt hingegen: „Ich bin ein Künstler, ich bin Dirigent – ich bin kein Machtmensch.“ Im Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ nahm der seit 2015 amtierende Chef des Gürzenich-Orchesters zu der Mutmaßung Stellung, er habe erwirkt, dass der Vertrag von Birgit Meyer, der Intendantin der Oper Köln, der zum Ende der Spielzeit 2021/22 ausläuft, nicht erneuert werden soll.

          Die Frage „Sie hatten also keinen Einfluss auf Frau Rekers Ankündigung, Birgit Meyers Vertrag nicht zu verlängern?“ parierte Roth mit einer rhetorischen Gegenfrage: „Wer bin ich, dass ich so etwas bestimmen könnte?“ Die Bescheidenheitsfloskel klingt nach einem kategorischen Nein, aber in Wahrheit ist die Antwort ausweichend. Wer nicht bestimmen darf, kann trotzdem Einfluss nehmen, und Roth sagt gar nicht ausdrücklich, dass er nicht interveniert habe. Und wenn er sich wirklich vor lauter Hingabe an die Kunst nicht darum kümmern kann, welche Macht der Chefdirigent in den Angelegenheiten hat, für die er und die Opernintendantin beide zuständig sind, muss das jemand anders für ihn übernehmen.

          Roths Vertrag wäre ebenfalls 2022 ausgelaufen. Im Mai 2020, vier Monate vor der Kommunalwahl, wurde er bis Ende der Spielzeit 2024/25 verlängert, mit einer Option bis 2026/27. Dass die Stadt ihrer Opernintendantin kein entsprechendes Angebot machen möchte, verkündete die im September wiedergewählte parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker am 18. November. Dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ sagte Roth: „Es ist wie überall, es gibt keine Beziehung zwischen den beiden Vertragsverhältnissen.“ Das ist falsch. Bei der Änderung von Roths Vertrag wurde nicht nur die Laufzeit ausgedehnt. Der Generalmusikdirektor erhielt erweiterte Kompetenzen. So ist die Macht von Birgit Meyers Nachfolger von vornherein beschnitten.

          Wie sie es für richtig hält

          Roths letztes Interview-Wort zur Causa Meyer: „Die Oberbürgermeisterin entscheidet über Verträge, wie sie es für richtig hält.“ Das ist wahr – als normative und als empirische Aussage. Der Satz beschreibt, was Frau Reker kraft ihres Amtes zu tun befugt ist und was sie in Ausübung des Amtes tatsächlich tut. In gewissem Sinne ist damit alles gesagt.

          Von dieser Zeitung nach den Gründen für ihre Entscheidung gegen Birgit Meyer befragt, erwähnt die Oberbürgermeisterin an erster Stelle das „Vorschlagsrecht der Hauptverwaltungsbeamten“. Die Wortwahl ist charakteristisch für die Juristin Henriette Reker, die ihre Laufbahn im öffentlichen Dienst als Beigeordnete in Gelsenkirchen begann, 2010 als Beigeordnete für Soziales, Integration und Umwelt in ihre Heimatstadt Köln wechselte und 2015 auf Vorschlag der Grünen zur Oberbürgermeisterin gewählt wurde. Ihre von CDU und FDP unterstützte Kandidatur richtete sich gegen die SPD auch in deren Funktion als Quasi-Stadtstaatspartei. In den sechs Jahrzehnten seit Henriette Rekers Geburtsjahr 1956 stellte die SPD 49 Jahre lang den Oberbürgermeister.

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