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Kölner Oper : Warum soll Birgit Meyer gehen müssen?

Nun ist es tatsächlich selten, dass ein Opernintendant mehr als zehn Jahre im Amt bleibt. In München dauerte die prägende Ära von Sir Peter Jonas dreizehn Jahre, und gegen Ende zog sie sich etwas. Michael Hampe leitete die Kölner Oper von 1975 bis 1995. Vor drei Monaten inszenierte der Fünfundachtzigjährige noch einmal eine „Zauberflöte“. Er hat sich dem Protest gegen den Abschied für Frau Meyer angeschlossen und dürfte verwundert darüber sein, dass ihm von der Stadt im Rückblick bedeutet wird, seine Ära habe doppelt so lange gedauert wie nötig.

Frau Reker möchte, dass bei der Rückkehr der Oper an den Offenbachplatz ein neuer Intendant eine „neue Handschrift“ zeigen kann. Aber selbst wenn man die Faustregel ansetzen will, dass nach einem Jahrzehnt kontinuierlicher Spielplanplanung Zeit für Neues sei, kann solch ein grobes Kalkül doch nicht die besonderen Bedingungen des Falls verdrängen. Die Exekutive hat großen Spielraum, weil eine solche Personalentscheidung eine Einzelfallentscheidung ist. Daher wäre die Unterwerfung unter statistische Durchschnittswerte das Gegenteil von Rationalität des Verwaltungshandelns.

Die ewige Baustelle

Die wichtigste Bedingung der Arbeit des Kölner Intendanten ist das fortdauernde Provisorium. Nach derzeitiger offizieller Angabe soll das rechtsrheinische Exil mit Beginn der Spielzeit 2023/24 enden. Aber auf einer für Dienstag, den 26. Januar angesetzten Pressekonferenz zu den Bauarbeiten wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein neuer Aufschub bekanntgegeben werden. Die durch kein neues Wunschdatum zu beseitigende Ungewissheit wird durch die Pandemie jetzt noch potenziert. Wenn der Zwischenzustand weiter verlängert wird, wäre es das Vernünftigste, auch die Anstellung der Intendantin zu verlängern, die das Haus in diesem schwierigen Zustand mit Erfolg geführt hat. Das nach allen Regeln der Verwaltungserfahrung Vernünftigste – wenn nicht Gründe dagegen sprechen.

Dass die Oberbürgermeisterin Gründe hat, die sie nicht mitteilt, ist anzunehmen. Die Stadt verweist auf die Vertraulichkeit von Personalangelegenheiten. Diese Regel ist für den Schutz der Beschäftigten da. Ihre Anwendung im Fall Meyer bewirkt das Gegenteil. Das Publikum muss auf böse Gedanken kommen: Der Dank, den die Stadt Frau Meyer für ihre Dienste spendet, passt nicht dazu, dass sie für diese Dienste so kurzfristig keine Verwendung mehr hat. Anderthalb Jahre bleiben bis zur ersten Spielzeit unter dem Nachfolger – in einem Metier, in dem Verträge mit Solisten drei oder vier Jahre im Voraus geschlossen werden. Wenn die Gründe ein Arkanum der Verwaltung bleiben, entsteht in der öffentlichen Diskussion ein Vakuum, Raum für unbelegte Gerüchte und mehr oder weniger schlüssige Vermutungen über den Führungsstil der Intendantin und den Machtwillen des Generalmusikdirektors.

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