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Kölner Oper : Warum soll Birgit Meyer gehen müssen?

Wenn Frau Reker die Bedingungen ihrer Arbeit beschreibt, spricht sie von „Verwaltung“ und „Politik“ als überindividuellen Hauptakteuren, die sie nicht ausdrücklich als Antagonisten hinstellt, wohl aber als getrennte Mächte mit scharf unterschiedenen Aufgaben. „Politik“, das sind die Ratsfraktionen. Der Verwaltung kommt die Initiative zu, die Politik handelt reaktiv – wenn überhaupt.

Kein Widerspruch im Hauptausschuss

Auf Leserbriefe und Unterschriftenlisten zugunsten von Birgit Meyer angesprochen, verweist Frau Reker kühl darauf, dass es aus der Politik keinen Widerspruch gegeben habe, jedenfalls nicht auf den von der Gemeindeordnung vorgesehenen Wegen. Die Spitzenpersonalauswahl für die städtischen Institutionen ist eine Kernkompetenz der Exekutive. Zwar erlaubt die nordrhein-westfälische Gemeindeordnung den Gemeinden, sich die Regel zu geben, dass bei „Bediensteten in Führungsfunktionen“ Entscheidungen über das Arbeitsverhältnis „durch den Rat oder den Hauptausschuss im Einvernehmen mit dem Bürgermeister zu treffen sind“. Die Stadt Köln hat davon auch Gebrauch gemacht. Aber dass die Hauptsatzung dem Hauptausschuss die Zuständigkeit überträgt, kommt der Exekutive entgegen. Im Hauptausschuss hat sie es mit den Stadtpolitikern zu tun, die selbst so etwas wie einen exekutiven Habitus ausbilden. Die Frage, wer die Oper leiten soll, ist nicht von selbst ein Thema für den Rat.

Am 23. November 2020 unterrichtete die Oberbürgermeisterin den Hauptausschuss von ihrer Absicht, die Opernintendanz neu zu besetzen. Seitdem fand eine weitere Sitzung statt, am 11. Januar. Keine Fraktion setzte das Thema auf die Tagesordnung. Da Frau Meyers Vertrag bei Nichtverlängerung endet, brauchte Frau Reker die Zustimmung des Hauptausschusses nicht. Erst wenn sie den Vertrag mit einem Nachfolger vorlegt, wird sie das Einvernehmen suchen müssen.

Birgit Meyer, die ihr Vorgänger Uwe Eric Laufenberg 2009 als Operndirektorin nach Köln holte, ist seit dem 1. September 2012 Intendantin. Ihre Amtszeit ist ein einziges Provisorium. Die Vorstellungen finden im Staatenhaus statt, einem Messegebäude auf der rechten Rheinseite, weil das Opernhaus von 1957 saniert wird. Die Wiedereröffnung war für 2015 geplant und wurde immer wieder verschoben. Der einzige Grund, den Frau Reker für die Trennung von Frau Meyer öffentlich namhaft macht, ist die Feststellung, dass zehn Jahre im Amt der Intendantin genug seien. Auch Frau Meyer gegenüber nannte Frau Reker keinen anderen Grund.

Zwanzig Jahre in der Philharmonie

Einen Automatismus beschreibt diese Terminierung nicht. Als die Verlängerung mit Roth bekanntgegeben wurde, der seit 2015 in Köln ist, sagte Frau Reker nicht etwa, nun beginne die zweite Hälfte seiner Ära, vielmehr bekundete sie ihre Vorfreude „auf viele weitere inspirierende Jahre mit François-Xavier Roth“. Louwrens Langevoort ist seit 2005 Intendant der Kölner Philharmonie. Sein Vertrag wurde 2018 bis 2025 verlängert. Und erst im Juni ließ Frau Reker den Vertrag mit Yilmaz Dziewior, dem Direktor des Museums Ludwig, verlängern – bis 2032. Dziewior wird dann siebzehn Jahre im Amt gewesen sein.

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