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Katharina Thalbach zum Sechzigsten : Die Stimme Berlins

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Ein Händchen für die leichte Muse: Katharina Thalbach Bild: INTERFOTO

Welche Figuren sie spielt, was immer sie tut: Sie ist ganz und gar glaubwürdig. Die Berliner Schauspielerin Katharina Thalbach feiert heute ihren sechzigsten Geburtstag.

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          Vielleicht kann man sie, wenn etliche Menschen um sie herum stehen, übersehen - überhören kann man sie gewiss nicht. Denn Katharina Thalbach, die sagt, dass sie nach dem frühen Tod ihrer Mutter, der Schauspielerin Sabine Thalbach, nicht weiter wachsen wollte und sich seit ihrem zwölften Lebensjahr mit etwa 155 Zentimeter Körpergröße begnügt, ist schon längst zur unverkennbaren Stimme Berlins geworden.

          Niemand kann so schön, so dreckig und trotzdem liebenswürdig, so charmant, rauh und erotisch, so völlig unangestrengt und dabei mitreißend berlinern wie die im Ostteil der Stadt geborene Schauspielerin und Regisseurin, die von aller Welt nur Kathi genannt wird. Sie ist ein richtiges Theaterkind und wurde von der Mutter bald zu Proben und Vorstellungen mitgebracht. Das Berliner Ensemble war ihre Krabbelstube und Helene Weigel, die Intendantin, ihre künstlerische Erziehungsberechtigte.

          Sie spielt, inszeniert, singt

          Nach dem Abitur erhielt die Tochter Benno Bessons einen Elevinnenvertrag bei ihrer bis heute verehrten Meisterin, die auch darauf achtete, dass die Schülerin die anfangs zu leise Stimme fachgerecht trainierte und natürlich des akzentfreien Hochdeutschen mächtig wurde. Katharina Thalbach trat am BE auf, später an der Volksbühne bei Manfred Karge und Matthias Langhoff, in diversen Filmen. Obwohl auf dem Weg zum Star, protestierte sie gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns und verließ 1976 mit ihrem Lebensgefährten, dem Schriftsteller Thomas Brasch, die DDR.

          Am West-Berliner Schiller-Theater, in Köln oder Zürich wurde ihre hohe, psychologisch genaue und dialektisch grundierte Bühnenpräsenz rasch gewürdigt. Seit Ende der achtziger Jahre führte sie Regie, wie bei Brechts „Mann ist Mann“ 1989 am Thalia Theater Hamburg. Als Harald Juhnke in ihrer Inszenierung von Zuckmayers „Hauptmann von Köpenick“ am Berliner Maxim-Gorki-Theater 1996 öfter krankheitsbedingt ausfiel, übernahm sie umjubelte neunzig Mal seine Rolle des Schusters Wilhelm Voigt. Sie spielt, inszeniert, singt, synchronisiert Filme, liest vor Publikum und für Hörbücher, ist für ihre freimütigen Interviews bekannt.

          Die Clownsfrau mit den riesigen Augen

          Was immer sie tut, wirkt in hohem Maße glaubwürdig, ob sie 2011 in Jan Peters Doku-Drama über Friedrich II. als Alter Fritz oder in der Politsatire „Der Minister“ (2013) als Kanzlerin Angela Murkel glänzt. Mit ihrer unendlichen Lust am Spielen, der Vitalität, dem Schalk im Nacken und dem Desinteresse an jeder Art von Schubladen und Mauern ist sie zu einer deutschen Ikone geworden.

          Die Gäste in ihrer Berliner Wohnung lecken sich die Lippen nach Katharina Thalbachs selbstgemachten Buletten und Eintöpfen, und die Theater-, Opern- und Filmzuschauer können nicht genug kriegen von dieser klugen Clownsfrau mit den riesigen Augen eines lachenden Kindes, das vom Ernst des Lebens mehr weiß, als es zugeben mag.

          Die Erzkomödiantin, die eine glückliche Hand für die leichte Muse und keine Angst vor derben Witzen hat, will Kunst nicht von Unterhaltung trennen. Als famos-amüsantester Beweis für deutschen Humor wird Katharina Thalbach am heutigen Sonntag sechzig Jahre alt - und steht im Theater am Kurfürstendamm auf der Bühne.

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