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Kaputtgespart : Berliner Schauspielschule Ernst Busch in der Krise

  • -Aktualisiert am

In einer Talkshow und auf den Straßen Berlins kämpfen die Studenten für ihre Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Bild: dpa

O. E. Hasse und Marlene Dietrich haben sie besucht, August Diehl, Corinna Harfouch und Nina Hoss: Die renommierte Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ wird kaputtgespart.

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          An dem Abend, als in Berlin das Theatertreffen eröffnet wurde, lehnte der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses mit der Mehrheit von SPD und CDU den seit Jahren beschlossenen Neubau der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ab, eine renommierte und bestens beleumundete Ausbildungsstätte für den Theater- und Filmnachwuchs. Gegründet wurde sie 1905 von Max Reinhardt und besucht unter anderen von Größen wie Lothar Müthel, Alexander Granach, Grete Mosheim, O. E. Hasse oder Marlene Dietrich. Jüngere Absolventen der 1951 zur Staatlichen Schauspielschule der DDR gewordenen Einrichtung sind etwa August Diehl, Judith Engel, Christian Grashof, Michael Gwisdek, Corinna Harfouch, Nina Hoss, Sandra Hüller, Alexander Lang, Dieter Mann, Dagmar Manzel, Devid Striesow.

          Doch inzwischen bröckelt der Putz - im ganz materiellen Sinne. Die marode, zum teil asbestverseuchte Substanz gerade des Hauptgebäudes ist kaum mehr tragbar. Eine Renovierung würde sowohl finanziell riskant als auch von der Organisation her aufwendig, da nicht bei laufendem Betrieb durchführbar. Also einigte man sich nach etlichen Anläufen und mit mehreren Millionen Steuergeldern für diverse Planungskosten auf einen Neubau im Bezirk Mitte, wo in Zukunft alle vier weitverstreuten Standorte der Hochschule untergebracht sein sollten.

          Unrühmlich

          Der Rektor Wolfgang Engler hat dieserhalb seit seinem Amtsantritt 2005 an 387 Besprechungen der Bildungs- und Bauverwaltung teilgenommen. Weil die Baukosten inzwischen allerdings von rund 33 Millionen Euro auf knapp 35 Millionen Euro gestiegen sind, wurde das Vorhaben gekippt. Die Studenten protestieren in einem Zeltlager, das sie auf dem vorgesehenen Grundstück als Freiluftakademie aufgeschlagen haben.

          Einer der Kommilitonen versuchte seinen Unmut in der Talkshow von Günther Jauch zu äußern, wo Berliner Politiker saßen, die sich gern des kreativen Potentials von „Spree-Athen“ rühmen. Und nun wird das dringend erforderliche neue Haus der ältesten deutschen Schauspielschule verhindert? Wegen zwei Millionen Euro, die einer erstklassigen Ausbildungsstätte zugute kämen? In Sachen Kulturpolitik kann man wieder einmal bloß sagen: Völker der Welt - lacht über diese Stadt.

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