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Jürgen Flimm wird 80 : Triumph der Liebe

  • -Aktualisiert am

Jürgen Flimm Bild: Jens Gyarmaty

Freund der Harmonie und der Musen: Der Regisseur Jürgen Flimm beschenkt durch ebenso intelligente wie poetisch-phantasievolle Inszenierungen seine Künstlerkollegen und das Publikum. Jetzt wird er 80 Jahre alt.

          2 Min.

          Er hat einen schönen Humor und unverwüstlich gute Laune – das unterscheidet ihn von vielen Regisseuren und Intendanten: Der Harmoniefreund Jürgen Flimm setzte stets mehr auf Konsens als auf Konfrontation und auf menschenfreundliche Pädagogik statt auf ideologische Dogmatik. Geboren wurde er 1941 in Gießen, aufgewachsen ist er aber in Köln, wo er Soziologie, Theater- und Literaturwissenschaft studierte und überdies jene rheinische Frohnatur ausbildete, die es ihm erlaubte, nicht wenige berufliche Schleudersitze und deren amtliche Verwalter sowie das Treibhausklima diverser Häuser mit gelassener Heiterkeit und Sportsgeist zu bewältigen.

          Er liebäugelte schon als Student mit dem Theater und sammelte erste Erfahrungen auf einer winzigen Kölner Kellerbühne. Angeschlossen war eine kleine Schauspielschule, wo er seine Schauspielprüfung bestand, „der einzige Beruf, den ich bis heute regelrecht nachweisen kann“. 1968 wurde er Regieassistent an den Münchner Kammerspielen, inszenierte in Mannheim, Hamburg, Köln, sogar in New York. In den damals in jeder Hinsicht bewegten Jahren waren seine Inszenierungen nie eindimensional politisch, sondern meist kunstvoll dramaturgisch und oft poetisch-phantasievoll angelegt. Mit der deutschen Erstaufführung von Luigi Nonos „Al gran sole carico d’amore“ 1978 in Frankfurt am Main wagte er sich erstmals an eine Oper – und gleich an ein Schlüsselwerk des zeitgenössischen Musiktheaters. 1979 wurde Jürgen Flimm Intendant in Köln und leitete von 1985 bis 2000 das Thalia Theater Hamburg. Dem bescherte er sensationell hohe Auslastungen und etablierte es durch einen intelligenten Spielplan und ein großartiges Ensemble als intellektuelles Zentrum der Stadt.

          Im Jahr 2000 brachte er Wagners „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen heraus, war 2001 bis 2005 Schauspieldirektor und von 2006 an Intendant der Salzburger Festspiele, parallel dazu von 2005 bis 2008 Intendant der Ruhrtriennale. Zum Inszenieren kam der praktizierende Italien-Liebhaber da kaum noch, öffnete nun lieber anderen die Türen. Ein Kulturmanager oder Kulturfunktionär ist er trotz seiner administrativen Verpflichtungen zum Glück nie geworden, ein hoch kompetenter, bestens vernetzter, alles gebender Liebhaber der schönen Künste freilich immer geblieben, was man auch daran sah, mit welchem Elan er sich seit 2010 seinem Amt als Intendant der Berliner Staatsoper widmete. Umsichtig und charmant hat Jürgen Flimm die schwierige Renovierungsphase moderiert, in der sich die Bauzeit wie das Budget verdoppelten, wofür er allerdings nichts konnte. Die Eröffnung 2017 hat er noch begleitet und sich dann zurückgezogen. Danach hat er frei inszeniert, ob an der Scala oder in Braunschweig, und seine Autobiographie vorbereitet. Heute wird dieser vielfach begabte, so geschickte wie gescheite Musensohn achtzig Jahre alt.

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