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Jubilare : Super-Mario

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Singt sich ein Ständchen: Mario Adorf Bild: dpa/dpaweb

Öffentliche Lobhudelei sei ihm „peinlich“ hat Mario Adorf im Vorfeld seines fünfundsiebzigsten Geburtstags bekannt. Daher schenkte er sich selbst eine Geburtstagstournee. Feierstimmung kam nicht auf.

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          Was ist schlimmer als ein Schauspieler, der sich in unverschleierter Eitelkeit einen Abend lang feiern läßt? Die Antwort muß lauten: Ein Schauspieler, der seine eigene Bodenständigkeit feiert, und zwar nicht nur eine Samstagabendshow lang, sondern gleich sechsfach, in verschiedenen Theatern der Republik.

          Öffentliche Lobhudelei sei ihm „peinlich“ hat Mario Adorf im Vorfeld seines fünfundsiebzigsten Geburtstags immer wieder bekannt, deswegen verzichte er auf eine Fernsehgala und beschenke sich und sein Publikum lieber mit einer Geburtstagstournee nach dem Motto: „Nicht sich feiern lassen - sondern selbst feiern.“ Hätte man nur ein bißchen besser hingehört, man wäre Herrn Adorf sofort auf die Schliche gekommen.

          Teure Geschenke

          Das Bürgerliche Gesetzbuch beschreibt eine Schenkung als eine „unentgeltliche Zuwendung“. Adorf hat jedoch einen ganz eigenen Schenkungsbegriff - anders ist es nicht zu erklären, daß er für sein Geschenk an das Publikum zwischen 80 und 110 Euro Eintritt verlangt. Vielleicht hatten die teuren Karten aber auch einen anderen Grund, schließlich wünschte er keine „öffentliche Lobhudelei“. Zumindest der Ausschluß einer größeren Öffentlichkeit von seinen Geburtstagsfeiern ist ihm dank dieses Tricks geglückt. Und die Lobhudelei war so subtil in das Stück eingearbeitet, daß man sie fast nicht bemerkte.

          Man mußte schon genau hinhören, um die zur Musik vom „Temptations“-Klassiker „Papa Was A Rolling Stone“ vorgetragenen Textzeilen „Alle Frauen kriegen weiche Knie bei diesem Mann“, oder „Mario, verrat' mir Dein Geheimnis, warum Du so jung geblieben bist“ zu verstehen; denn meistens hielten sich die Stimmen der Sänger schamhaft hinter dem Schlagzeug versteckt. Wie schön wäre doch eine lobhudelnde Fernsehgala gewesen, anstatt dieser Geburtstagsrevue, deren Plot eine Probe für eine Geburtstagsrevue von Mario Adorf abbilden sollte. Keiner hätte live singen müssen (was für Sänger und Publikum sicher angenehmer gewesen wäre), irgendwann wäre Mario Adorf als „echter Weltbürger“ und „laut Umfragen beliebtester deutscher Schauspieler“ gepriesen worden, und die Hauptperson hätte sich ehrlich und eitel über Tusch und Torte freuen dürfen.

          Vor allem wäre dem Zuschauer aber Adorfs Bescheidenheit erspart geblieben. Die äußerte sich vor allem darin, daß er auf der Bühne nicht im Sessel sitzen und statt maßgeschneidertem Frack lieber einen Bademantel tragen wollte. „Schließlich habe ich schon Brioni getragen, als Gerd Brioni noch für eine jugoslawische Insel gehalten hat.“ Ob sich hinter diesem Satz wohl die vom Veranstalter angepriesene selbstironische Ausrichtung des Stückes verbergen sollte? Welch originelle Interpretation für ein Drehbuch, das Adorf den Song „As Time Goes By“ in dem Moment singen läßt, wenn er sich auf der Bühne an sein Leben erinnert. Doch manchmal haben Liedtexte auch etwas Tröstliches: Zeit vergeht immer - auch an diesem Mittwochabend in der Frankfurter Alten Oper.

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