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„Hippolyte et Aricie“ : Es waren zwei Königskinder, ganz vaterseelenallein

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Hippolyte et Aricie: Tragédie en musique in fünf Akten von Jean-Philippe Rameau Bild: Opernhaus Zürich

Nichts mit Flitterwochen: Lange hatte es Jean-Philippe Rameaus französisches Musiktheater auf deutschsprachigen Bühnen schwer. Jetzt begeistert „Hippolyte et Aricie“ am Opernhaus Zürich.

          Etikettenstreng tafeln drei Generationen einer Königsfamilie gemeinsam. In prächtiger Rokokokleidung sitzt man sich gegenüber. Auf dem Tisch stehen hohe Kerzenleuchter und Champagnergläser. Bärtige Aufpasser in schwarzen Soutanen stehen dabei, falten betend die Hände und wachen über die Sitten am Hof. Als ein Jüngling zärtlich auf den Schoß des Regenten schlüpft, ringen ihn die Dunkelmänner sofort zu Boden und schneiden ihm in aller Ruhe den Hals durch. Mit dieser Eröffnungsszene deutet Jetske Mijnssen in ihrer Inszenierung von Jean-Philippe Rameaus erster Oper „Hippolyte et Aricie“ am Opernhaus Zürich ganz beiläufig die unterschwellige Brutalität und Grausamkeit eines Ancien Régime an, das sich nach außen mit schönem Schein, Reichtum und höfischer Kultur schmückt.

          Die drei männlichen Parzen spielen hier Schicksal als Tugendpolizei, die hinter den Kulissen die Strippen zieht und wie eine religiöse Security Crew Angst und Schrecken verbreitet. Perithous, der Freund des Königs Thésée, wird getötet, weil er als Lustknabe ein Tabu brach. An diesem Hof ist schon das Überbringen einer schlechten Nachricht riskant. Doch welche Optionen haben die Privilgierten? Auch die in gegenseitiger Liebe verbundenen Titelfiguren dürfen zunächst nicht zusammenkommen. Komplett unschicklich sind die Gefühle, die Thésées Frau Phèdre für ihren Stiefsohn Hippolyte empfindet. Als sie diesen beim Techtelmechtel mit Aricie erwischt, verdonnert sie die junge Frau zur Keuschheit im Dienste der Jagdgöttin Diane und gesteht Hippolyte ihre Liebe, wird aber zurückgewiesen. Das Drama nimmt seinen Lauf.

          Einem Monster zum Fraß

          Phèdre will sich erstechen, doch Hippolyte versucht, ihr das Messer zu entwinden. Just in dieser verfänglichen Situation kommt Thésée zurück. Phèdres Vertraute Oenone beschuldigt Hippolyte der versuchten Vergewaltigung. Thésée ringt sich dazu durch, den Sohn für die vermeintliche Schmach zu bestrafen. Vater Neptun soll den Frevler einem Monster zum Fraß vorwerfen. Phèdres Geständnis und ihr später doch noch vollzogener Suizid treffen Thésée hart. Zwar erfährt er, dass Hippolyte von Diane gerettet wurde, doch er selbst darf ihn nie wieder sehen. Hippolyte wird neuer König, Aricie seine Frau.

          Simon-Joseph Pellegrins Libretto für Rameaus „Hippolyte et Aricie“ basiert auf Jean Racines Schauspiel „Phèdre“ unter Einbeziehung antiker Vorlagen von Euripides und Seneca. Als das Stück 1733 in Paris erstmals präsentiert wurde, war der Komponist bereits fünfzig Jahre alt. Später hat er die fünfaktige Tragédie en musique noch zweimal überarbeitet. In Zürich wird eine Mischfassung dieser drei Versionen ohne Prolog gespielt. Die von Ben Baur gestaltete Drehbühne stellt die antik gebotene Einheit des Ortes wieder her, auf die Rameau damals bewusst verzichtet hat. Das ganze Geschehen spielt sich in- und außerhalb eines klassizistischen Rundbaues ab. Gideon Davey hat das Personal wie zur Entstehungszeit der Oper kostümiert.

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