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Neue Philharmonie in Paris : Das Tutti ist noch überresonant

  • -Aktualisiert am

Nur so gut wie seine Akustik

Immerhin ist der Große Saal der Pariser Philharmonie, anders als jener der künftigen Elbphilharmonie, ein Multifunktionssaal, wo auch Rockkonzerte und andere populäre „Events“ stattfinden sollen. Dafür werden sich später einmal die Parkettsitze versenken und die eindrucksvollen Akustiksegel über der Bühne an die Decke ziehen lassen. Überhaupt bietet der Raum, wie schon der Konzertsaal in Nouvels Luzerner Kultur- und Kongresszentrum, zahlreiche Möglichkeiten, den Klang und den Nachhall je nach Musikgenre zu variieren. In Hamburg wurde eine derartige Variabilität dem Glauben an den einen „bestmöglichen“ Klang geopfert. Und anders als bei der Elbphilharmonie, die neben dem Konzertsaal ein vor Urzeiten zur Querfinanzierung erdachtes Luxushotel beherbergen muss, hat man in Paris auch auf die sinnvolle Einbettung des Gebäudes ins vorhandene kulturelle Umfeld geachtet: Die Philharmonie ist zusammen mit dem 1995 eröffneten Gebäude von Christian de Portzamparc, dessen Zentralachse Nouvel optisch fortsetzt, Teil der erweiterten „Cité de la Musique“, die auch das Conservatoire sowie etliche Bibliotheken und kleinere Bühnen umfasst. Gleich fünf Klangkörper, darunter das Orchestre de Paris, das Ensemble Intercontemporain und Les Art Florissants, werden ihre Heimstatt in dem Komplex finden. Es ist ein Wurf, wie er im städtebaulich und kulturpolitisch oft verzagten Deutschland kaum gelingen könnte - und es ist, allen innenpolitischen und wirtschaftlichen Krisen Frankreichs zum Trotz, eine eindrucksvolle Geste für die Bedeutung von Kultur.

Ein Konzertsaal ist freilich immer nur so gut wie seine Akustik. Deshalb wurden in Paris mit Harold Marshall und Yasuhisa Toyota gleich zwei der weltweit führenden Akustiker als Berater engagiert. Toyota verantwortet auch die Akustik der Elbphilharmonie. Beim Eröffnungskonzert des Orchestre de Paris unter Leitung seines Chefdirigenten Paavo Järvi wurde der reizvoll asymmetrisch geschnittene Saal in allen seinen Vorzügen, aber auch in seinen Nachteilen präsentiert. Bei Edgard Varèses „Tuning up“, einer Parodie der Zufallskakophonie während des Stimmens, klingt das Tutti zunächst sehr massig und überresonant. Renaud Capuçons Sologeigenton wird bei „Sur le même accord“ von Henri Dutilleux dagegen wunderbar weich und doch präsent in den Gesamtklang eingehüllt. Den überzeugendsten Eindruck hinterlassen Auszüge aus Gabriel Faurés Requiem mit einer paradoxen Mischung aus Unmittelbarkeit und kirchenräumlicher Tiefe. Hélène Grimaud kämpft bei Ravels G-Dur-Klavierkonzert immer wieder gegen das Orchester an. Bevor die Philharmonie wirklich zu den „besten Sälen der Welt“ (Hollande) gehört, bedarf es also noch einiger Modifikationen.

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