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Jack White in Köln : Hexensabbat mit Fuzz-Gitarre

  • -Aktualisiert am

Ganz in Blau, wie sich das für eine Blues-Bühne gehört: Jack White an wechselnden Instrumenten. Bild: Thomas Brill

Jack White gibt in Köln ein Meisterstück der minimalistischen Pop-Präsentation und lässt die Sache mit der Rockmusik für anderthalb Stunden wieder wie eine gute Idee klingen.

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          Kurz bevor es losgeht, tritt, in schwarzem Anzug, mit Hut und hellblauer Krawatte, ein bärtiger Mann ans Mikrofon: Jack White, so lässt der freundliche Herr das Publikum im Kölner E-Werk wissen, bitte darum, sich das Konzert in 3D anzuschauen und nicht durch irgendwelche Smartphone-Fensterchen. Wer Fotos von der Show haben wolle, der könne sie in zwei Tagen von Whites Homepage kostenlos herunterladen. Man möchte den Mann zum Bürgermeister aller Konzerthallen machen!

          Überhaupt ist der technische Aufbau vor dem eigentlichen Konzertbeginn allein schon das halbe Eintrittsgeld wert: Die Vorgruppe First Aid Kit ist gerade verschwunden, da bauen fünf Herren - auch sie uniform mit schwarzem Anzug, Hut, weißem Hemd und blauer Krawatte bekleidet - die Bühne auf, derweil vom Band wüster Garagenrock die Szenerie bescheppert. Allein der rauschebärtige Gentleman, der, während es aus den Boxen poltert, seelenruhig die Lap-Steel-Gitarre stimmt, ist eine ziemliche Schau!

          Fast wie ein Prince des Bluesrock

          Wer sich zuvor auch nur ein wenig über Jack Whites gegenwärtige Tournee informiert hat, kennt die Pointe all dessen freilich schon. Doch auch so bleibt es ein grandioses Bild, als um kurz nach neun dann nicht etwa besagte Hutträger, sondern sechs Musikerinnen in weißen Kleidern die Bühne betreten und im Folgenden ein ebenso wüstes wie kompetent exekutiertes Gedröhne veranstalten. Schon dieser Anfang macht klar, was das Schaffen von Jack White, ehemalige Hälfte des Comic-Blues-Trios The White Stripes, Mitglied von The Raconteurs und Dead Weather, Produzent und Labelbetreiber, Analog-Aktivist, Sound-Traditionalist, Wundergitarrist und Pop-Ikone, im Kern ausmacht: Seit rund zwölf Jahren reißt sich der Sechsunddreißigjährige den Blues, die älteste und rohste Spielart populärer Musik, unter den Nagel, lässt ihn auf Garagen- und Hardrock knallen, spielt ihn mithin so dreckig und größenwahnsinnig wie nur möglich - und inszeniert das Ganze als Pop. Der gesamte Rahmen ist durchdacht bis in die Stiefelabsätze und den Vintage-Look der Instrumente; innerhalb dieses Rahmens aber herrscht Entfesselung, es brennt der Baum! Die Musik selbst bleibt von jeglicher Polierarbeit unberührt.

          Auch der Auftritt im E-Werk ist ein Meisterstück der minimalistischen Pop-Präsentation. Die Bühne bleibt während des gesamten Konzerts in ein fahles Blau getaucht, und wie White da so als Zeremonienmeister zwischen seinen Musikerinnen hin und her stakst, dabei die dröhnendste Fuzz-Gitarre der Welt spielt und immer wieder ins Mikrofon jault wie ein schmalbrüstiger Hardrock-Shouter, das lässt ihn stellenweise fast wie einen Prince des Bluesrock wirken. Dass er dabei oft ausschaut wie Johnny Depps Stuntdouble in irgendeinem Tim-Burton-Film, tut der Wirkung keinen Abbruch. Sollte jemand nach einem anschaulichen Beleg dafür suchen, dass der Begriff „Coolness“ keineswegs Leidenschaft negiert, sondern diese vielmehr zur zwingenden Grundlage hat, so möge er rasch ein Jack-White-Konzert besuchen.

          Ein begnadeter Inszenator von Musik

          White und seine Musikerinnen spielen sich an diesem Abend durch einen prallen Katalog aus neuen Stücken von Whites erstem Soloalbum „Blunderbuss“, Coverversionen, Material der White Stripes und der Raconteurs. Trotz der schieren Wucht der Musik, trotz der bisweilen aufkommenden Hexensabbat-Stimmung, trotz Jack Whites Gitarrenspiel, das die schönsten akustischen Action Paintings in den Raum spritzt, könnte man natürlich auch mäkeln.

          Etwa darüber, dass Whites Musik nicht weniger rückwärtsgewandt ist als die all der Neo-Soul-Heinis (stimmt nicht: So wie White hat noch niemand zuvor Sixties-Beat, Psychobilly und Country durch Led-Zeppelin-Rock gedacht). Oder darüber, dass manches hier klingt wie die völlig in Vergessenheit geratene Band The Make-Up (ja, doch, stimmt stellenweise schon). Oder darüber, dass White kein besonders guter Songschreiber, sondern vielmehr ein begnadeter Inszenator von Musik ist (stimmt total). Dennoch: Man kann dem Mann gar nicht genug dafür danken, dass er die Sache mit der Rockmusik für anderthalb Stunden lang wieder wie eine gute Idee klingen lässt.

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