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Ivan Rebroff gestorben : Die russische Seele nach Deutschland gebracht

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So kannten ihn Millionen Bild: dpa

„Natürlich aus Russland.“ Auf die Frage, woher Ivan Rebroff stammt, hätten in den siebziger Jahren viele Deutsche diese Antwort gegeben. Doch der „russische Sänger“ ist Deutscher und hat nie in Russland gelebt. Nun ist er im Alter von 76 Jahren gestorben.

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          Ivan Rebroff betrat eine Bühne nie ohne die für ihn typische russische Pelzmütze. Das unverwechselbare Erscheinungsbild des Sängers wurde vier Jahrzehnte lang zu seinem Markenzeichen. Dazu gehörten auch ein schwerer Pelzmantel, der gepflegte Vollbart sowie eine starke Stimme, die mit Überzeugung dasrussische Volkslied „Kalinka“ schmetterte. Am Mittwoch ist Rebroff, der mit bürgerlichem Namen Hans-Rolf Rippert hieß, gestorben. Todesursachen waren Organversagen und Herzstillstand, teilte das
          Konzertbüro Richard Weber am Donnerstag im badischen Offenburg mit.

          „Ich habe die russische Seele nach Deutschland gebracht“, sagte Rebroff in einem seiner letzten Interviews. Der schwergewichtige Bassbariton, der über einen Stimmumfang von viereinhalb Oktaven verfügte, spezialisierte sich schon früh auf russische Folklore. Mit Erfolg: Im hart umkämpften internationalen Musik- und Showgeschäft war Rebroff als singender Russe 40 Jahre lang eine feste Größe. „Ich bin in Deutschland und in vielen anderen Ländern der Welt der bekannteste Russe. Obwohl ich nie in Russland gelebt habe“, sagte Rebroff, der auf seine Karriere stolz war.

          Der „Ein-Mann-Kosakenchor“

          „Wenn ich einmal reich wär'“ - das Lied des Milchmanns Tevje aus dem Musical „Anatevka“ machte ihn 1968 schlagartig berühmt. Knapp 1500 Mal in Folge stand er seit dem Erfolg im Pariser Theater „Olympia“ in dieser Rolle auf der Bühne, die ersten 500 Aufführungen sang er vor ausverkauftem Haus.

          Ivan Rebroff im Jahr 2007 vor dem Festspielhaus in Bayreuth
          Ivan Rebroff im Jahr 2007 vor dem Festspielhaus in Bayreuth : Bild: ddp

          Nach diesem ersten Erfolg feilte Rebroff an seinem Image. Er absolvierte als Solist Tourneen rund um den Globus, gab fast 8000 Konzerte und machte sich einen Namen als „Ein-Mann-Kosakenchor“. Im deutschen Fernsehen wurde er zum Dauergast. Im Laufe seiner Karriere erhielt Rebroff weltweit 50 Goldene Schallplatten und eine Platinplatte. 1986 wurde er für seine Verdienste um die Völkerverständigung mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

          Mutter soll Russin gewesen sein

          Geboren wurde er 1931 im Berliner Bezirk Spandau. Um seine Herkunft und um die Familie ranken sich Legenden. Die Mutter war angeblich Russin, der Vater ein hessischer Ingenieur mit russischen Vorfahren.

          1953 legte sich Rippert den Künstlernamen Rebroff zu. Er orientierte sich dabei nach eigenen Angaben an einem großen Sänger des Moskauer Bolschoi-Theaters. Der Anlass für den Künstlernamen: Nach Gesangs- und Schauspielunterricht sowie einem Gesangsstudium an der Staatlichen Musikhochschule in Hamburg wurde Rippert Mitglied eines Schwarzmeer-Kosakenchors.

          Kein Durchbruch an der Oper

          Mit diesem unternahm der gebürtige Berliner ausgedehnte Tourneen, die seine späteren Erfolge als russischer Folklore-Sänger vorbereiteten. Dazwischen war Rebroff an der Oper in Gelsenkirchen und in Frankfurt engagiert. Der große Durchbruch im Opernfach, auf den er gehofft hatte, blieb ihm jedoch versagt.

          Rebroff, der fünf Sprachen fließend sprach, sah sich selbst als Weltenbummler. Konzerte gab es selbst dann noch, als er schon über 70 war. 2006 war er auf Europa-Tournee. Sein letztes Konzert gab er Anfang Dezember 2007 in Wien. Wegen gesundheitlicher Probleme war er davor bereits mehrere Male im Krankenhaus gewesen.

          Über das Privatleben des Künstlers wurde wenig bekannt. Rebroff lebte auf der griechischen Sporaden-Insel Skopelos. Dort war er schon zu seinem 60. Geburtstag von der kleinen Inselgemeinde zum Ehrenbürger ernannt worden.

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