https://www.faz.net/-gqz-a1j7r

CD-Edition von Isaac Stern : Nicht immer auf geradem Wege

  • -Aktualisiert am

Einer der größten Geiger, wenn er mal gut vorbereitet ist: Isaac Stern. Bild: Barbara Klemm

Meistergeiger und Machtmensch: Vor hundert Jahren wurde Isaac Stern geboren. Eine CD-Edition feiert einen großen Geiger mit schwieriger Persönlichkeit.

          4 Min.

          „Wird es nicht sein wie ein Dialog mit der Ewigkeit?“, fragte Emil Berliner euphorisch, als er 1888 im Franklin Institute eine epochale Erfindung vorstellte: die Schallplatte. An die Ewigkeit, die seither gespeicherten Dialoge zu hören, hat er schwerlich gedacht – etwa die x-tausend CDs der in den letzten Jahren veröffentlichten Editionen, die an die seligen Geister unter den großen Dirigenten, Pianisten und Geigern erinnern. Die jüngste Sammlung ist dem Geiger Isaac Stern gewidmet, dessen Geburtstag sich am 21. Juli zum hundertsten Mal jährte – 75 CDs mit Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1946 und 1980 (Sony Classical).

          Der 1920 in der Ukraine geborene Stern, 1921 mit seinen Eltern nach San Francisco ausgewandert, gehörte zu den Großmeistern. In seiner 1983 veröffentlichten Studie „Great Masters of the Violin“ schreibt Boris Schwarz, Konzertmeister in Arturo Toscaninis Orchester der NBC, Stern habe 25 Jahre seinen Platz auf dem Olymp behauptet. Er gehörte nicht, mit einem Paradox von Bruno Walter, zu den „Hochbegabungen mit einer angeborenen Technik“. Sein Debüt mit dem San Francisco Symphony Orchestra und Pierre Monteux bescherte ihm 1936 nur einen Achtungserfolg. In der Agentur von Sol Hurok, damals allmächtig im amerikanischen Musikleben, stand er lange nur im zweiten Glied. Erst 1943 erkannte der Komponist und als Kritiker sehr einflussreiche Virgil Thomson in ihm „one of the world’s master fiddle players“.

          Mit Beginn der fünfziger Jahren wurde Stern zum Marathon-Mann des Konzertlebens wie der Platten-Branche. Seit 1950 gehörte er zu den Partnern des großen Cellisten Pablo Casals, der zum zweihundertsten Todestag Bachs das Festival von Prades ins Leben gerufen hatte. In der Église St. Pierre entstanden exquisite Aufnahmen des G-Dur-Quintetts op. 111 und des Klaviertrios in H-Dur von Johannes Brahms, von Schumanns Klavierquintett in Es-Dur und von Schuberts Quintett in C-Dur – in Zusammenarbeit mit Kammermusik-Koryphäen wie der Pianistin Myra Hess, dem Geiger Alexander Schneider, dem Bratscher Milton Katims und Cellisten wie Pablo Casals und Paul Tortelier. Mit dem brillanten Pianisten Eugene Istomin und dem Cellisten Leonard Rose gründete er ein Klaviertrio, das mehr als zwei Jahrzehnte aktiv war; denkwürdig im Jubiläumsjahr 1970 eine weltweite Konzert-Reihe mit den Werken, die Beethoven für Klavier, Violine und Violoncello geschrieben hat.

          Schlecht vorbereitet ins Konzert

          Viele seiner Konzertaufnahmen sind glänzend gelungen: Antonio Vivaldis Doppelkonzert in c-Moll mit David Oistrach als Partner, die ihre Instrument zu siamesischen Zwillingen machen; das vom Columbia Orchestra unter George Szell subtil begleitete D-Dur-Konzert von Mozart KV 211 und die der Konzerte von Johannes Brahms, Max Bruch, Felix Mendelssohn und Peter Tschaikowsky mit dem Philadelphia Orchestra unter Eugen Ormandy – durchweg klangschwelgerisch und großkonzertant. Eine Trouvaille seiner Diskographie ist die Aufnahme der vom ihm uraufgeführten „Serenade“ von Leonard Bernstein..

          Topmeldungen

          Roland Tichy (l.) übergibt in seiner Funktion als Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung am 20. September 2016 Altkanzler Gerhard Schröder den Ludwig-Erhard-Preis.

          F.A.Z. exklusiv : Tichy gibt Vorsitz der Ludwig-Erhard-Stiftung ab

          Der Publizist Roland Tichy gibt im Oktober die Leitung der Ludwig-Erhard-Stiftung ab. Er war heftig in die Kritik geraten, nachdem in seiner Publikation „Tichys Einblick“ ein Artikel erschienen war, den viele Leser als frauenfeindlich betrachten
          Joshua Wong im Oktober 2019 bei einem Pressestatement in Hongkong

          Festnahme in Hongkong : Willkürliche Vorwürfe gegen Joshua Wong

          Dem Demokratieaktivisten werden die Teilnahme an einer nicht genehmigten Kundgebung und ein Verstoß gegen das Vermummungsverbot vorgeworfen. Das dient offenbar der Einschüchterung Wongs und seiner Mitstreiter.
          Maske auf! Clemens Wendtner rät zum Mund-Nasen-Schutz.

          Infektiologe Clemens Wendtner : „Die zweite Welle ist da“

          Chefarzt Clemens Wendtner hat im Januar in München die ersten Corona-Patienten in Deutschland behandelt. Im Interview spricht er über Laxheit, Lüftungsanlagen – und warum die Jugend für die Eindämmung der Pandemie so wichtig ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.