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Interview : Wie jung ist Bayreuth, Frau Wagner?

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Katharina Wagner und Vater Wolfgang Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Katharina Wagner spricht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die diesjährigen Festspiele, die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang, Familienstreitigkeiten, Skandale und die Faszination von Macht.

          Katharina Wagner spricht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über die diesjährigen Festspiele, die Nachfolge ihres Vaters Wolfgang, Familienstreitigkeiten, Skandale und die Faszination von Macht.

          Am Montag beginnen die 55. Festspiele. Wie ist die Stimmung zuhause, Frau Wagner?


          Die „Tristan“-Produktion lief sehr ruhig, konzentriert, gelassen. Keine Skandale. Schon fast langweilig. Nee, Spaß beiseite, die Stimmung ist gut.


          Sie haben Marthalers Tristan schon gesehen. Hat er Sie überzeugt?

          Familie Wagner bei der Eröffnung 2004


          Mich persönlich ja. Das, was man von Herrn Marthaler erwartet, bekommt man auch, möchte ich mal behaupten. Es ist natürlich nicht ganz so romantisch, wie sich das vielleicht der eine oder andere bei „Tristan“ wünscht, aber ich finde gerade das sehr erfrischend, gerade diese Kombination - „Tristan“ und Marthaler - bringt einiges an Nüchternheit in das Stück.


          Ich habe gehört, es soll sehr konventionell und gar nicht typisch marthaler-skurril sein.


          Die typischen Marthaler-Elemente sind natürlich drin - und die funktionieren auch. Eine seiner großen Stärken ist es ja, Leute auch einfach mal nichts tun zu lassen. Das klingt banal, aber ich weiß selbst als Regisseur, wie schwierig es ist, Sänger stillzustellen, daß die nicht immer ihre Hände bewegen oder mit Requisiten hantieren. Aber es ist natürlich immer die Frage, wie skurril kann man einen „Tristan“ machen. Diese langen Duette, die, nebenbei bemerkt, auch sehr schwierig zu singen sind, da muß man natürlich auch Rücksicht auf die Sänger nehmen, klar.


          Während der Probenzeit war es wirklich sehr ruhig, auch verglichen mit dem Lärm um Christoph Schlingensief vergangenes Jahr. Dennoch wollen Christoph Marthaler und seine Bühnenbildnerin Anna Viebrock dem Premierenempfang angeblich fernbleiben. Also doch ein Eklat?


          Frau Viebrock hat offiziell abgesagt, ich glaube aber nicht, daß das an irgendwelchen Spannungen hier lag. Vielleicht mag sie einfach solche Anlässe nicht. Ist ja auch kein Zwang. Mein Vater prügelt da niemanden hin.


          Auf Schlingensiefs Homepage steht ein aktuelles Interview mit ihm, ich zitiere: Ich dachte letztes Jahr, es läge an uns und unserer ,Unerfahrenheit'. Aber wenn ich dieses Jahr sehe, was da bei Marthaler los ist, dann denke ich, der Mann ist ein musikalisches Genie und hat es auch so schwer. Wie kann denn so was sein? Inwiefern hatte Marthaler es hier schwer?


          Das weiß ich jetzt ehrlich gesagt nicht. Da drang nichts an meine Ohren. Ich habe jetzt auch Herrn Schlingensiefs Homepage nicht gelesen. Ich weiß auch gar nicht, ob Herr Marthaler weiß, was da steht, das würde mich mal interessieren.


          Als damals Schlingensief, Marthaler und Lars von Trier für Bayreuth engagiert wurden - von Trier hat dann ja wieder abgesagt -, dachten alle, da steckten Sie dahinter. Als junger Geist, als neuer Wind in Bayreuth gewissermaßen. War das so?


          Bayreuth hat einen kleinen Spielplan, der sehr überschaubar ist. Natürlich werden Namen diskutiert, eine ganze Liste sogar, man tauscht sich aus. Am Schluß entscheidet einer, nämlich mein Vater, wer engagiert wird. Aber wenn ich irgendwo eine gute Aufführung sehe, sage ich schon, guck dir das mal an, vielleicht könnte der was sein. Marthaler und „Tristan“ zum Beispiel, da waren sich alle sofort einig, daß die wie füreinander gemacht sind. Das fanden alle sofort eine super Idee.

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