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Interview : Wie jung ist Bayreuth, Frau Wagner?

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Man kann es mutig finden, daß Sie sich als Urenkelin von Richard Wagner in dessen Fußstapfen begeben - man kann es aber auch sehr bequem finden. Sie setzen sich in ein gemachtes Nest.


Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Sie inszenieren Wagner, arbeiten in Bayreuth: Hatten Sie nie Lust, mal etwas ganz Eigenes zu machen?


Die Leute, die mich kennen, wissen, daß ich sehr eigen bin. In meinen Inszenierungen sieht man auch, daß ich anders bin als mein Vater. Ich wüßte nicht, wie ich etwa als Profisportlerin mehr ich selbst sein könnte.


Haben Sie sich je Geschwister gewünscht? Es bleibt ja alles an Ihnen hängen.


Als Außenstehender würde ich auch denken, daß auf mir ein gewisser Druck lastet. Es hat sich aber alles ganz freiwillig entwickelt. Ich fühle keinen Druck.


Ihre Cousine Nike Wagner, die ja auch gerne mal die Festspiele leiten würde, nannte Sie in Interviews „manipuliert“ und „Erfüllungsgehilfin“ Ihres Vaters. Ärgert Sie das?


Jeder, der mich kennt, weiß, daß ich zur „Erfüllungsgehilfin“ nicht tauge, weil mein Mund dafür viel zu groß ist. Ich bin nicht so eine liebe Tochter, die immer nur Jajajaja sagt. Nein, das ärgert mich nicht. Ich finde es nur immer wieder erstaunlich, was Leute über einen sagen, die einen nicht kennen.


Wann haben Sie sich zuletzt gesehen?


Wir kennen uns gar nicht. Wir sehen uns höchstens mal zufällig.


Haben Sie Kontakt zu Ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier, die sich auch um das Amt beworben hatte - auch sie ohne Erfolg?


Nein.


Finden Sie es belastend, daß so viele Familienmitglieder miteinander verstritten sind?


Ich finde es nicht sonderlich schön, Familienstreitigkeiten in der Öffentlichkeit auszutragen, deshalb halte ich mich da grundsätzlich raus. Ich finde das indiskret, und das liegt mir fern.


Nike Wagner sagt, ein Merkmal der Wagner-Frauen seien männliche Energien. Können Sie das bestätigen?


Ja, das mag sein, ja. Da kann man natürlich nur in Klischees sprechen, aber ich glaube schon, daß den Wagner-Frauen eine gewisse Trockenheit, die eigentlich eher Männer an den Tag legen, gegeben ist. Wir sehen nicht gleich alles so dramatisch wie manche andere Frau, ich sehe auch Dinge eher nüchtern.


Wie erklären Sie sich den Kult um Ihren Urgroßvater? Kein Komponist hat glühendere Fans. Das hat schon etwas Rauschhaftes.


Seine Werke reißen einen einfach mit. Die Themen sind zeitlos - Haß, Liebe, Eifersucht, Habgier, Macht. Das sind Themen, die kann jeder nachvollziehen. Jeder liebt und haßt und möchte gerne irgendwie ein bißchen Macht haben.


Sie auch?


Klar. Da würden wir ja lügen, wenn wir es leugnen würden. Damit kann jeder etwas anfangen. Zum anderen ist natürlich die Musik sehr mitreißend komponiert. Das nimmt emotional mit.


Ist Macht etwas, was Sie interessiert?


Macht ist natürlich das große Thema beim „Ring“.


Es ist auch das große Thema, wenn es um die Nachfolgefrage in Bayreuth geht.


Ach, das fängt doch schon bei der Parkplatzsuche an. Wie Leute sich manchmal benehmen, wenn sie denken, daß sie Macht haben. Ich persönlich bin nicht von Macht besessen - ich glaube aber, jeder hat so kleine Anflüge.

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