https://www.faz.net/-gqz-qwp4

Interview : Wie jung ist Bayreuth, Frau Wagner?

  • Aktualisiert am


Angeblich hat hinter den Kulissen Ihre Mutter in Bayreuth so ziemlich das Sagen. Sie hat sich ja auch mal um die Nachfolge der Festspielleitung beworben, wurde vom Stiftungsrat aber abgelehnt. Welche offizielle Funktion hat sie inne?


Ich glaube, das nennt sich persönliche Referentin der Festspielleitung.


Stimmt es, daß sie Marthalers Freundin von den Proben ausgeschlossen hat?


Wieso sollte sie das tun? Ich kann mir höchstens vorstellen, daß vielleicht vergessen wurde, einen Hausausweis für sie zu beantragen, und daß die Aufsicht sie dann nicht reinlassen wollte, und meine Mutter sagt natürlich der Aufsicht, daß sie streng sein soll, sonst wird das zu voll. Aber das ist rein hypothetisch.


Dann stimmt wahrscheinlich auch nicht, wie in der „Welt“ zu lesen war, daß Ihre Mutter sich angeblich vertraglich ein Mitmachrecht bei Tankred Dorsts „Ring“ hat zusichern lassen?


Die Frau von Herrn Dorst arbeitet da mit. Meine Mutter? Nein.


Sie gelten als wahrscheinliche Nachfolgerin Ihres Vaters. Inzwischen sagen Sie selbst, daß Sie es nicht ausschließen.


Sagen wir so: Ich schließe Dinge generell nicht aus. Ich schließe auch nicht aus, daß ich über die Straße gehe und vom Auto überfahren werde.


Würden Sie die Festspiele denn gerne leiten?


Das ist eine Frage, die ich mir stelle, wenn es soweit ist. Und das ist kein Ausweichen auf diese Frage. Das ist meine Persönlichkeit. In der heutigen Zeit kann sich alles so schnell verändern. Firmen gehen von heute auf morgen pleite, Zuschüsse werden auf einmal eingefroren ...


Die Frage ist doch ganz einfach: Würden Sie es gerne machen? Nehmen wir einfach mal an, alles geht gut, wird immer besser, es gibt noch mehr Zuschüsse ...


So rosig wird es leider nicht aussehen.


Puh, ist das kompliziert. Wäre der Beruf Ihres Vaters etwas, das Ihnen Spaß machen könnte?


Ich sage mal: theoretisch ja. Das kommt aber auf den Zeitpunkt und die eigenen Lebensumstände an. Hypothetisch und theoretisch kann ich es bejahen, aber es spielen noch so viele Faktoren mit rein, daß ich es nicht als Ja stehenlassen kann.


Sie waren auf einem Wirtschaftsgymnasium, haben Klavier gelernt, Theaterwissenschaften studiert. Klingt alles wie der direkte Weg zur Festspielleitung. Haben Sie in Ihrem Leben je eine seltsame Abzweigung genommen, gibt es etwas Krummes in Ihrer Biographie?


Meinen Sie nächtliche Saufexzesse? Die hat doch jeder mal.


Eher ob Sie mal überlegt haben, eine Surfschule auf Mallorca aufzumachen oder so etwas in der Art.


Ich saß natürlich nicht nur daheim und habe Klavier gespielt, man geht auch mal in die Disko, fährt in Urlaub, trinkt auch mal einen Cocktail zuviel, ganz normal, wie jeder andere auch. Aber ich hatte nie den Drang, als Animateurin in einem Klub zu arbeiten oder Gogo-Tänzerin zu werden oder sonst irgendwas, nein.


Sie haben nie gegen Ihre Herkunft rebelliert?


Nein. Es gab auch keinen Grund. Meine Eltern haben mich sehr selbständig erzogen.


Leben Sie in Bayreuth in einer eigenen Wohnung?


Ich wohne bei meinen Eltern im Haus, aber das ist fast eine eigene Wohnung.


Und in Berlin, wohnen Sie immer noch in der Richard-Wagner-Straße?


Ja.

Weitere Themen

Topmeldungen

Nach den britischen Wahlen : Mehr Blair fürs Volk

Boris Johnson ist mit voller Wucht gegen die „rote Mauer“ des Labour-Herzlands gefahren und hat große Teile davon zum Einsturz gebracht. Warum fühlt man sich jetzt dennoch an einen früheren Labour-Premier erinnert?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.