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Interview : Wie jung ist Bayreuth, Frau Wagner?

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Die Kritiken für Ihre erste Inszenierung fielen durchweg respektvoll aus. Von der Tochter Wolfgang Wagners hatte man wohl konventionelleres Musiktheater erwartet.


Sicher. Ich wollte es aber nicht extra ganz anders machen als mein Vater. Regie funktioniert nicht, wenn man gegen was arbeiten muß, glaube ich.


Gehen Sie oft in die Oper?


Oft ist so eine schwierige Frage...


Gehen Sie gerne in die Oper?


Das ja. Und manche Inszenierung schaue ich mir gerne x-mal an. Zum Beispiel den „Freischütz“ von Nel an der Komischen Oper, der ist immer wieder wunderbar böse. Ein erfrischender „Freischütz“.


Sie sind seit 2001 „planend und koordinierend“ bei den Festspielen tätig, wie es heißt. Was genau ist Ihre Funktion?


Ich bin Assistentin der Festspielleitung. Und im Moment Regieassistentin für „Lohengrin“.


Letztes Jahr waren Sie Assistentin bei Schlingensiefs „Parsifal“. Als es zwischen ihm und dem Tenor Endrik Wottrich, Ihrem Lebensgefährten, zum Streit kam, haben Sie vermittelt.


Was heißt vermittelt. Schauen Sie, das sind zwei erwachsene Männer. Natürlich habe ich versucht zu vermitteln, aber irgendwann hatten sich die beiden so festgefahren auf ihre jeweiligen Positionen, daß man nur noch sagen konnte, paßt auf, macht es unter euch aus.


War Ihnen die Situation unangenehm?


Wenn man so möchte, privat ja. Professionell streiten sich halt mal zwei.


Um auf ein Detail des Streits einzugehen: Sagen Sie auch „Neger“ wie Herr Wottrich?


Nee, eigentlich nicht. Als ich klein war, sagte man noch „Negerkuß“, das ist, glaube ich, der einzige Zusammenhang, in dem ich es verwende.


Waren Sie in Ihrer Kindheit eher ein Mama- oder ein Papakind?


Schwierige Frage. Es heißt immer, Töchter sind Papakinder, oder? Ich glaube, ich bin beides. Immer noch.

In Ihrem „Waffenschmied“ am Gärtnerplatztheater haben Sie die Tochter, Marie, an den Vater gekettet.


Das hat aber nichts mit mir zu tun gehabt.


Ihr Vater sagte, darauf angesprochen: „Das ist ihre Sache. Aber wir sind ja schließlich in einer besonderen Form verbunden.“ Inwiefern: besonders?


Mein Vater und ich haben in vielem dieselbe Art. Wer uns kennt, der merkt es - . . . gewisse Gesten, die Art zu sprechen, wie wir Sätze abhacken teilweise, wie umständlich wir uns ausdrücken ... Mein Vater und ich, wir schaffen es irgendwie, über zwei Din-A4-Seiten einen Satz zu schreiben, ohne einen Punkt zu setzen.


Sind Sie Ihrem Vater auch im Beruf ähnlich? Sind Sie auch aufbrausend und schreien schon mal?


Man muß sagen, daß es bei meinem Vater sehr lang dauert, bis er mal schreit. Es stimmt nicht, daß er das gerne tut. Wenn er mal ausrastet, dann richtig, ja, aber da muß ihn schon etwas ziemlich lang vorher aufgeregt haben. Das kenne ich auch von mir, und bei mir dauert es auch sehr lang. Aber bei einer Produktion bin ich noch nie ausgerastet.


Stimmt es, daß Ihre Mutter Ihnen die Kleider aussucht, die Sie während der Festspiele tragen? Stand im „Stern“.


Das ist verzerrt dargestellt. Sie bestellt eine Auswahl von Kleidern, und aus der suche ich mir dann etwas aus. Sie nimmt mir da die Arbeit ab. Das, was die Tochter das ganze Jahr nicht auf die Reihe kriegt, nämlich, sich um ein Kleid zu kümmern, das nimmt sie mir ab.

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