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Interview : Wie jung ist Bayreuth, Frau Wagner?

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Nach der Absage von Lars von Trier macht nun Tankred Dorst im nächsten Jahr den „Ring“. Er hat noch nie eine Oper inszeniert, ist dann achtzig Jahre alt. Wirkt ein bißchen willkürlich, so als Ersatz für Trier. Wie kam es zu Dorst?


Das müssen Sie meine Eltern fragen. Ich habe mich grundsätzlich bei „Ring“-Regisseuren immer sehr bedeckt gehalten, weil ich es sehr schwierig finde, da eine gute Empfehlung abzugeben. Lars von Trier war auch nicht meine Idee, sondern die meines Vaters.

Bedeutet die Entscheidung für Dorst, daß das Projekt „mutiges junges Bayreuth“ vorläufig wieder beendet ist? Oder gab es ein solches nie?


Die Leute werden hier nicht nach Namen ausgesucht, sondern danach, ob der Festspielleiter denkt, daß ein bestimmtes Stück ihnen liegt.


Christian Thielemann, der den „Ring“ dirigieren wird, hat gesagt, er wünsche sich „endlich mal wieder einen Wotan ohne Aktentasche“. Sie auch?

Nicht unbedingt. Kommt drauf an, was Wotan mit der Aktentasche macht und was er da drin hat. Jemandem einfach eine Aktentasche in die Hand zu drücken, damit jeder Depp versteht, Kinder, es spielt heute, das ist natürlich ein bißchen platt. Ich glaube, Thielemann meinte damit, er wolle eine gewisse Plumpheit nicht sehen.


Sie haben bisher dreimal inszeniert, zweimal Wagner, einmal Lortzing. Jedesmal spielte eine große Rolle, in welche Zeit Sie es verlegten. Ihr „Lohengrin“ spielte im Budapest von 1956, der „Waffenschmied“ im deutschen Vormärz. 2007 werden Sie in Bayreuth die „Meistersinger“ machen. Wissen Sie schon, in welcher Zeit es spielen wird?


Ich habe schon eine Vorstellung, aber die muß ich erst noch überprüfen, bevor ich etwas darüber sagen kann.


Arbeiten Sie wieder mit demselben jungen Team, mit dem Sie immer arbeiten?


Ja. Herr Sollich macht Dramaturgie und Herr Dodge Bühne und Kostüme.


Als Sie das erste Mal inszenierten, in Würzburg den „Fliegenden Holländer“, stand in der „Zeit“, Sie würden Ihren Dramaturgen so oft um Rat fragen, daß sein Name ein Witz über Sie sei: Soll ich?


Ja, der Name reizt natürlich dazu. Natürlich diskutiere ich viel mit meinem Dramaturgen. Dafür habe ich ihn. Und ich habe mir mit Absicht Leute geholt, die sich kritisch mit mir auseinandersetzen und auch mal widersprechen.


Ist es ein Vorteil oder ein Nachteil, unterschätzt zu werden?


Manchmal ist es von Vorteil. Blondinen werden ja grundsätzlich unterschätzt, das kann man ausspielen und für sich nutzen.


In Würzburg ließen Sie die offiziellen Theaterpostkarten mit einem Barbie-Motiv bedrucken. Aus Trotz?


Das war doppeldeutig. Ich wurde in der Presse als Barbiepuppe meines Vaters bezeichnet, aber im Stück spielte auch eine Barbiepuppe mit. So ein plumper Selbstbezug war es also nicht, aber wer es darin sehen wollte, durfte das gerne tun.


Was ist Ihnen als Regisseurin lieber: Buhs vom Publikum und Lob in den Feuilletons - oder andersherum?


Ich glaube, es kann überhaupt nur so gehen, daß man selbst dahintersteht. Aber es ist einer der schwierigsten Berufe, man kann es nicht zweitausend Leuten recht machen, es geht einfach nicht. Ein Teil des Publikums wird immer buhen.

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