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Interview : „Ein ganz großes Ja zum Leben“

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Es wirken mit Irm Hermann, die Fassbinder-Ikone, Robert Stadlober, Patti Smith. Wie kommen die zu Ihnen?

Patti Smith habe ich bei der Premierenfeier von „Parsifal“ kennengelernt. Ich kam etwas später, und jemand sagte, Patti Smith ist da, ich hab' gar nicht richtig reagiert, und dann sah ich sie irgendwann. Die langen grauen Haare, die ziselierte Figur - da hab' ich entschieden, oh, das ist sie ja wirklich. Es war der Abend, an dem ein paar Jahre zuvor ihr Vater gestorben war, und sie hatte einen Trauerflor um den Arm, den machte sie ab und schenkte ihn mir. Dann haben wir Mailadressen ausgetauscht.

Im Sommer haben Sie in Namibia einen Film gedreht, „African Twin Towers“, da war sie auch mit dabei.

Ja, ich hab' nicht geglaubt, daß sie kommt, aber dann war sie plötzlich da. Und jetzt grüßt sie auch mal von Bob Dylan, der weiß auch schon von uns. Irm Hermann habe ich 1987 kennengelernt, als ich mit ihr ein kleines Fernsehspiel fürs ZDF gedreht habe. Sie leidet hier Höllenqualen, weil sie keinen Text hat. Also, sie hat zwar Text, aber vielleicht wird sie auch einfach nur rumsitzen. Sie hat für mich an dem Abend eine Parallele zum auf Frau geschminkten Andy Warhol.

Sie haben sich oft Themen gesucht, an die sich sonst keiner rantraute - Asylbewerber, Arbeitslose, Behinderte, Neonazis. Gibt es hier auch ein Thema, ist es Religion?

Ich hab' das Gefühl, auch wenn das alles sehr voll wirkt, daß ich versuche zu entrümpeln. Die Illusionen, die man mit sich rumschleppt, um dann im Notfall mit ihnen etwas zu legitimieren. Das Vaterunser genauso wie das Wippen vor der Klagemauer.

Das wollen Sie relativieren?

Nein, ich bin dem nur auf der Spur. Die Welt ist so gewalttätig wie vor zehn Jahren, aber wir sind immunisiert. Mein Gott, was waren wir damals noch aufgeregt, wenn jemand was gesagt hat. Heute kann man ja stundenlang reden, und es ist doch völlig egal. Ich bin für klare Verhältnisse. Früher habe ich oft den Satz gehört: Das ist so scheiße, daß es schon wieder gut ist. Das ist eine Unverschämtheit. Es gibt ganz klare Ansagen, und es gibt klare Verhältnisse, und ich will eine Klärung haben, was das Universum macht.

Und der versuchen Sie, mit diesem Projekt näherzukommen?

Das kann man als Denkmaschine sehen oder als Komposition, die aus den Elementen meiner bisherigen Arbeit besteht und die sicher auch mit einer Spur Größenwahn daherkommt.

Ist Ihre Arbeit wie die Welt außenherum auch ein bißchen unpolitischer als früher?

Im Sinne des von der Gesellschaft akzeptiert Politischen ja. In meinen Augen ist es sogar wesentlich politischer, weil es viel mehr um die Frage nach Entscheidung geht. Was entscheide ich in meinem Leben. Wenn das nicht politisch ist.

Würden Sie sagen, die Erfahrung in Bayreuth hat Ihre Arbeit verändert?

Ich war davor sehr oft zu schnell, ja. Ich hab' mich sehr schnell berufen gefühlt, hierzu oder dazu etwas zu machen, und mich zu sehr um das Bild zum Text oder zum Film gekümmert. Jetzt wachsen die Bilder aus sich selber. Und sind aber nicht die Verfilmung meiner Zehennägel.

Die Ergebnisse sind weniger eindeutig.

Ich habe mittlerweile folgendes herausgefunden: Ich kann komponieren, ich kann Dinge bewegen, ich nehme Kräfte auf, aber ich werde auch gerne bewegt. Und das geschieht nicht, wenn ich hingehe und sage, ich bin der Betonklotz und ich sage jetzt mal, wie's läuft.

Manchmal hatte ich bei Ihren Arbeiten den Eindruck, daß Sie ganz klar beginnen und sich dann gegen Ende hin etwas verzetteln, vom Hundertsten ins Tausendste kommen, daß sich irgendwie die Form verliert. Ist das Absicht, oder würden Sie sagen, das ist eine Schwäche?

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