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Internetfamilienfeier : Debüt des YouTube-Orchesters

  • -Aktualisiert am

Videoleinwände gehören schon dazu, auch beim Symphoniekonzert in Carnegie Hall Bild: AP

In der New Yorker Carnegie Hall erklang die „Internet Symphony Nr.1“. Es spielte das Youtube Symphony Orchestra, gar nicht virtuell, recht passabel und in einem von Videos durchfluteten „Environment“.

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          Ganz schön mutig, dieser Tan Dun! Ein neues Orchesterstück mit dem Titel „Eroica“ zu schreiben, das würde nicht jeder zeitgenössische Komponist wagen. Anlass für die Uraufführung dieses bombastisch aufgeblasenen Fünfminutenwerkchens, das auch noch als „Internet Symphony No. 1“ firmierte, war der erste Live-Auftritt des „YouTube Symphony Orchestra“, dessen Musiker allesamt online ausgewählt wurden, jetzt aber in der Carnegie Hall nach hergebrachter Manier beweisen sollten, was sie „wirklich“ draufhaben.

          Offenbar ist das rein virtuell doch noch nicht herauszufinden. Der abenteuerlustige Michael Tilson Thomas dirigierte ein fünfzehnteiliges Schnipselprogramm, das von Gabrieli und Bach bis zu John Cage und dem amerikanischen Nachwuchsstar Mason Bates reichte, wobei berühmte und bald berühmte Solisten ihm assistierten.

          Technoästhetik in Carnegie Hall

          Und das akustische Ergebnis? Nun, nach ein paar Tagen Proben und Publikumsarbeit wären auch die genialsten Instrumentalisten kaum zu einem Klangkörper zusammengewachsen, dessen Konkurrenz das London Symphony Orchestra – eines der an dem Projekt mitarbeitenden Ensembles – zu fürchten hätte. Das Vergnügen des geübten Zuhörers lag etwa auf dem Niveau eines sehr guten Hochschulorchesters, und entsprechend beschwingt war der Jubel eines Publikums, das eindeutig jünger war als sonst bei vielen Klassikveranstaltungen üblich.

          Vorgespielt auf YouTube : Erster Auftritt des Internet-Orchesters

          Klang in dem Konzert gleichsam ein Echo nach, das aus der Praxis vergangener Tage bis ins Netz drang, mutierte der Konzertsaal in ein von atmosphärischen Videos durchflutetes „Environment“. Orchestermusiker rückten uns nah wie im Popkonzert, und zwischen die Musikstücke durften sie auch noch ein paar ihrer Videobiographien sprenkeln. Eine Art musikalische Internetfamilienfeier fand da statt. Heißt das nun aber, dass wir demnächst YouTube anklicken, um in der Carnegie Hall dabei zu sein, und in die Carnegie Hall gehen, um die Technoästhetik von YouTube zu genießen?

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