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Im Gespräch: Hannelore Hoger : Warum sind die Schwierigen einfach, Frau Hoger?

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Kratzbürstige Geistesgegenwärtigkeit: die Schauspielerin Hannelore Hoger Bild:

Divaallüren erlaube sie sich nicht, meint die Schauspielerin Hannelore Hoger. Für ihren Beruf brauche es viel Leidenschaft und Hingabe: „Vernünftige Leute machen so etwas nicht.“

          Seit 1994 liefen im ZDF knapp dreißig Folgen der Kriminalserie „Bella Block“ mit Ihnen in der Titelrolle. Die Kommissarin hat im Januar 2009 gekündigt und arbeitet seitdem hin und wieder auf eigene Faust. Fehlt Ihnen diese Rolle?

          Nein, Bella bleibt in Kontakt zu ihren alten Kollegen, und sie ist ja nicht Rentnerin geworden, sondern so eine Art feste Freie. Ich finde es ganz schön, dass sie jetzt den Zwängen des Kommissariats entronnen und nicht mehr - wie im Staatsdienst - weisungsgebunden ist. Die Drehbuchautoren haben dadurch größere Freiheiten für neue Geschichten.

          Wäre es möglich, dass Bella Block, wie etwa die Kommissare Maigret oder Wallander oder wie Miss Marple, später einmal von anderen Darstellern gespielt wird?

          Ja, aber das will ich mir jetzt nicht vorstellen. Die Figur ist, glaube ich, anders geschnitzt. Man muss sie auch nicht unbedingt bis ins nächste Jahrtausend fortführen . . .

          Hannelore Hoger auf der Bühne: das Zweipersonenstück „Love Letters” in Berlin

          Offensichtlich wurde Ihnen von wechselnden Autoren die Rolle der Bella Block sozusagen auf den Leib geschrieben. Sind Sie privat auch manchmal so ruppig wie sie?

          Ich finde nicht, dass sie ruppig ist. Bella Block ist direkt! Und sie ist eine Frau, die sich nichts gefallen lässt. Sie hat beruflich schließlich nur selten mit netten Menschen zu tun. Außerdem sieht man immer wieder, dass sie auch ganz anders sein kann. Wenn Sie so wollen: Ich kann auch so und so sein, je nachdem, wie's erforderlich ist.

          Bleiben wir bei Ihnen. Sie leben in Ihrer Geburtsstadt Hamburg. Sind die Menschen da nicht eher zurückhaltend und kultiviert im Umgang?

          Na hören Sie, ich bin ja auch nicht immer unkultiviert im Umgang, das verbitte ich mir. (lacht)

          Gelten Sie vielleicht als etwas bärbeißig, weil Sie nie einem sanften, unterwürfigen Frauenbild entsprechen?

          Wissen Sie, ich hatte hart zu kämpfen in meinem Leben. Mir hat man nichts geschenkt, aber wirklich gar nichts. Ich war begabt, deshalb habe ich natürlich auch Neid auf mich gezogen, und ich war unerschütterlich in meinem Glauben an mich.

          Mit anderen Worten: Sie waren zu Beginn Ihrer Laufbahn unerträglich selbstbewusst?

          Nein, gar nicht. Ich war ein schüchternes Mädchen - und bin es noch.

          Sie haben als Schauspielerin nach Ihrem Debüt in Ulm 1961 rasch und kontinuierlich Erfolg gehabt.

          Aber das bedeutet doch nicht, dass alles glatt verlief und ich einfach in die Höhe gehoben wurde. Außerdem musste ich auch mit Niederlagen fertig werden. Es gab Regisseure wie Rudolf Noelte oder Claus Peymann, die mit mir gar nichts anfangen konnten. Darüber hinaus hatte ich jedoch das Glück, Menschen wie Peter Zadek, Peter Palitzsch, Wilfried Minks, Kurt Hübner, Alexander Kluge, Hans Lietzau oder Augusto Fernandes kennenzulernen. Da gab's viel zu lachen, und ich konnte mich künstlerisch entwickeln. Wir waren ein wilder Haufen und alle starke Persönlichkeiten, die es miteinander versuchten, nicht gegeneinander.

          Einige aus dieser losen Gruppe sind allerdings nicht mehr am Leben. Wie nahe ist einem da mitunter der Gedanke an den eigenen Tod?

          Dieses Thema schätze ich nicht besonders. Ich kann doch nicht immer ans Alter oder an den Tod denken, da verpasse ich ja das Leben. In der Tat sind einige meiner liebsten Kollegen schon gestorben oder haben sich umgebracht. Als großen Verlust empfinde ich den Tod von Peter Zadek im vergangenen Sommer. Wir kannten uns mehr als vierzig Jahre. Er war ein komplizierter Mensch, aber wir konnten wunderbar zusammenarbeiten. Er fehlt mir. Wir waren lange Jahre entzweit, doch dann haben wir uns 2005 am Wiener Burgtheater bei Strindbergs Totentanz wieder vertragen. Ich hätte gern noch weiter mit ihm gearbeitet.

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