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Hoffmannsthals „Jedermann“ : Das immerschwarze Sterblichkeitsspektakel

Düster ist der Inhalt des „Jedermanns“, aber er kann auch kunterbunt inszeniert werden wie 2016 mit Miriam Fussenegger und Cornelius Obonya. Bild: Picture-Alliance

Wahrhaftig aus dem Volk hervorgestiegen? Hofmannsthals „Jedermann“ ist einer der größten Erfolge auf dem Theater – und einer der rätselhaftesten.

          4 Min.

          Seit auf den Tag einhundert Jahren wird bei den Salzburger Festspielen der „Jedermann“ gegeben. Gut siebenhundert Aufführungen, fast anderthalb Millionen Zuschauer, von 1920 bis 1968 in mehr oder weniger derselben Inszenierung, neunzig Mal (von 2002 bis 2009) mit Peter Simonischek und neunundsechzig Mal (von 1920 bis 1931) mit Alexander Moissi als Rekordhaltern – es dürfte sich um eines der dauerhaftesten Ereignisse der Theatergeschichte handeln.

          Vom Ritual hat es die weitgehende Gleichgültigkeit gegen äußere Umstände. Ob in einer christsozial regierten Republik, ob im faschistischen Ständestaat nach 1934, im besetzten Land bis 1955, in den Zeiten der sozialistischen Alleinregierung oder heute – es wird der „Jedermann“ gespielt, die Geschichte vom reichen Sünder und Menschen an sich. Davon, dass der Tod, dessen man täglich eingedenk sein soll, alle gleich macht und auf Geld und Sex und Wein kein Segen liegt. Und darüber, dass wenn es ans Sterben gehe, auch die „Werke“ nichts mehr helfen, nur noch ihre Schwester „Glaube“. Ewigwesentlich, alle immer angehend. In der „Weltbühne“ hieß es nach der Berliner Uraufführung von 1911, die in einem Zirkus stattfand, das Stück gehöre entweder in eine Kirche oder eine Germanistenkneipe.

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