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Bluesgitarrist Freischlader : Die Baumwollfelder von Wuppertal

  • -Aktualisiert am

Der gebürtige Kölner Henrik Freischlader lebt heute in Wuppertal. Bild: Caroline Sandmayer

Der Theologiestudent Henrik Freischlader wurde mit einem großen Vorbild zum besten deutschen Bluesgitarristen. Mit seinem Ansatz will er auch junge Leute für die Musikrichtung begeistern.

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          Welchem Bluesmusiker wurde die Ehre zuteil, von der uramerikanischen Hutmacher-Firma Stetson aus Missouri eine Signature-Kappe zu bekommen? Die Antwort findet sich nicht am Mississippi, sondern im „Wupper-Delta“. Denn hier lebt inzwischen der gebürtige Kölner Henrik Freischlader, Jahrgang 1982, dessen charakteristische Kopfbedeckung bereits in mehreren „Stetson“-Editionen vorliegt. Auch ein klassischer Fedora, wie man ihn von Charakteren des film noir kennt, trägt seinen Namen.

          Schon als Kind wollte Freischlader immer Schirmmützen und Hüte tragen und fand bald, dass die schönsten von der amerikanischen Edelmarke stammten – mehr als zweihundert besitzt er inzwischen. Doch wie kommt ein Jugendlicher aus dem Bergischen Land dazu, sich mit Haut und Haaren einer ursprünglich afroamerikanischen Musikform zu verschreiben? Und wie konnte aus einem glühenden Fan Deutschlands bester Bluesgitarrist werden?

          Henrik Freischlader fand auf Umwegen zu seiner Berufung: „Gary Moore ist der Grund, warum ich überhaupt Gitarre spiele! Als ich ihn zum ersten Mal gehört habe, in einer Kneipe, sein Album „After Hours“ – da war ich, glaube ich, vierzehn –, hat es mich regelrecht umgehauen. Durch ihn habe ich mir dann vieles selbst beigebracht und bin so richtig in den Blues eingetaucht.“

          „Für mich ist Gary Moore einmalig“

          Nun gilt unter Blues-Puristen Gary Moore nicht gerade als Musterbeispiel für Authentizität, ließ er doch in seinen Improvisationen immer wieder seine Hardrock-Vergangenheit aufblitzen und sich zu maßlos wirkenden Hochgeschwindigkeits-Licks hinreißen. Zudem konnte er nicht – wie beispielsweise Eric Clapton oder Peter Green – darauf verweisen, von afroamerikanischen Ziehvätern quasi adoptiert worden zu sein. Moore fehlte einfach der richtige Stallgeruch, als er 1990 mit seinem „Still Got The Blues“ in die Szene hineinexplodierte. Doch wer noch immer an Moores selbstgewählter „Blackness“ zweifelt, höre sich nur einmal sein Album „Live at Bush Hall“ von 2007 an: Gesang und Gitarre, die einen zu Tränen begeistern.

          Diese beinahe brachiale Ausdruckskraft hat auch Freischlader früh fasziniert: „Für mich ist Gary Moore einmalig, niemand spielt so emotional wie er.“ Dass er ihn persönlich kennenlernen und auf Tourneen musikalisch begleiten durfte, zählt noch heute zu Freischladers liebsten Erinnerungen.

          Doch bereits 2006 gelang es ihm, mit eigener Band aus dem Schatten des Idols und Lehrers herauszutreten. Sein schnörkelloses Album „The Blues“ zeigte eine rockinformierte Variante, die nicht nur die klassischen Griffbrett-Wendungen schwarzer Blues-Ahnen wie Albert King oder Albert Collins inhaliert hatte, sondern dem Genre einen eigenen melancholischen Ton hinzufügte. Aus B. B. Kings Devise „Du hast drei Akkorde, aber eine Million Möglichkeiten, sie zu spielen“ formte Freischlader seine ganz persönliche Kunst des Weglassens.

          Gibson-Gitarre als Spielzeug

          Die Wurzeln dieser Blues-Manie liegen in seinem Elternhaus. Nach eigener Aussage hatte er „keine Chance, der Musik zu entkommen“. Spielzeuge waren für den Herauswachsenden nur interessant, wenn man Klänge damit erzeugen konnte. Als „Spielzeuge“ dienen ihm heute hochwertige Fender- und Gibson-Gitarren mit einer gewissen Patina. Er spielt sie über „Realtone“-Röhrenamps mit überschaubarem Effektboard: Freischlader weiß ganz genau, dass ein guter Gitarrenton zuallererst aus den Fingern kommt.

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