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Salzburger Festspiele : „Ein Erlebnis schenken, das durch nichts zu ersetzen ist“

Intendant Markus Hinterhäuser (links) und Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler (links) in Salzburg Bild: Franz Neumayr

Die Salzburger Festspiele sollen ab dem 1. August trotz Corona stattfinden. Helga Rabl-Stadler und Markus Hinterhäuser, die Präsidentin und der Intendant, stellen das Programm vor – und erklären die Schwierigkeiten beim Ticketverkauf.

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          In Ihrem diesjährigen Programmbuch zitieren Sie den Dirigenten Nikolaus Harnoncourt mit den Worten: „Kunst muss Widerpart und Opposition sein“. Ist das Ihr Schlachtruf? Finden deshalb die Salzburger Festspiele in diesem Jahr trotz Corona statt?

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Simon Strauß

          Redakteur im Feuilleton.

          Helga Rabl-Stadler: Ich kann darauf mit noch einem schönen Zitat von Harnoncourt antworten: „Wenn wir, die Künstler, gut sind, dann gehen die Menschen anders aus der Vorstellung heraus, als sie hineingekommen sind“. Wir möchten gerne den Menschen wieder dieses Erlebnis schenken, das durch nichts zu ersetzen ist. Ich habe keine Minute daran gezweifelt, dass wir in diesem Sommer spielen werden. Wir hatten immer im Blick: Wie entwickelt sich dieses verheerende Virus? Und was ist dann unter Einhaltung des Gesundheitsschutzes möglich? Wir taten, glaube ich, recht daran, abzuwarten. Man sieht ja jetzt, wie die Öffnungen im Wochenabstand zunehmen. Und diese Öffnungen können auch für die Kunst genutzt werden.

          Was wird uns inhaltlich erwarten bei den Salzburger Festspielen 2020?

          Markus Hinterhäuser: Es wird aus jedem Genre etwas geben. Wir werden in der Oper „Elektra“ zeigen. Die Oper ist kurz, hat keine Pause und ein sehr überschaubares Personal auf der Bühne. Im Orchestergraben sieht es etwas anders aus. Wir sind noch in der Abstimmung mit Franz Welser-Möst. Aber die Reduktion der Besetzung wird eher gering ausfallen. Außerdem gibt es regelmäßige Corona-Tests für alle Beteiligten. Aber wir werden „Elektra“ zeigen: in der Regie von Krzysztof Warlikowski, mit Asmik Grigorian als Chrysothemis. Diese Produktion wird nächstes Jahr wiederaufgenommen. Alle anderen großen Produktionen muss ich ins nächste Jahr verschieben. Den „Don Giovanni“, eine Arbeit von Romeo Castellucci, werden wir verschieben, ebenso „Die Zauberflöte“. Wir werden aber eine Mozart-Oper machen – und zwar „Così fan tutte„: mit reduzierter Probenzeit, einem sehr überschaubaren Bühnenbild, aber als Beweis, dass man in dieser Zeit auch mit anderen Mitteln eine herrliche Mozart-Oper machen kann. Joana Mallwitz wird dirigieren, Christof Loy Regie führen, mit Elsa Dreisig, Marianne Crebassa und Léa Desandre im Ensemble.

          Und im Schauspiel?

          Hinterhäuser: Da sind wir natürlich mit dem „Jedermann“ beschäftigt und mit der Uraufführung des neuen Stücks von Peter Handke, „Zdenek Adamec“. Dazu noch „Everywoman“, ein Ein-Personenstück von Milo Rau. Jeden Sonntag im August wir es die Reihe „Reden über das Jahrhundert“ geben. Sie beginnt mit Alexander Kluge und Georg Baselitz. Die zweite Rede wird Navid Kermani halten, die dritte Anita Lasker-Wallfisch; die vierte Rede mit Elisabeth Orth wird eine literarische sein.

          Bleibt noch das Konzert.

          Hinterhäuser: Mitten in diesem schmerzhaften Vorgang, dass ich Künstler, die ich eingeladen hatte, nicht auftreten lassen kann, habe ich versucht, so viele wie möglich von ihnen doch noch nach Salzburg zu holen. Die Wiener Philharmoniker werden hier spielen, in reduzierter Besetzung auch die Berliner Philharmoniker und das West-Eastern Divan Orchestra. Es wird Solistenkonzerte geben mit Grigory Sokolov und Martha Argerich; der Beethoven-Zyklus mit Igor Levit wird in acht Konzerten stattfinden. Ein ziemlich großzügiges Angebot – aber mit einem sehr präzisen Navigationssystem, damit sich möglichst wenige Besucher gleichzeitig im Raum begegnen, mit Ausnahme während des Konzerts. Und alles ohne Pause.

          Was machen Sie mit den langjährigen Gästen, die für Ihr schönes Programm dann gegebenenfalls kein Ticket bekommen, obwohl sie schon Karten gekauft hatten?

          Rabl-Stadler: Es ist in der Tat eine große Herausforderung, statt 230 000 Karten jetzt nur noch 80 000, also in etwa ein Drittel für den Verkauf zu haben. Im Januar dieses Jahres hatten wir bereits 180 000 Karten für 24,5 Millionen Euro verkauft – ein neuer Rekord. Alle unsere Gäste haben ein Schreiben bekommen, in dem sie gebeten wurden, die Karten zurückzugeben und sich dafür ihr Geld erstatten zu lassen – oder es auf einem Konto für spätere Käufe zu speichern. Wir haben dann beschlossen, dass in einer ersten Runde nur diejenigen Karten bekommen, die schon Karten hatten. Jeder kriegt nur zwei Tickets. Das wird sehr schwierig werden und wir werden sehen, was nach dieser ersten Runde passiert. Denn wir wissen ja nicht: Werden die Leute wirklich kommen?

          Eine ausführlichere Fassung des Gesprächs finden Sie am Mittwoch in der F.A.Z. und bereits ab 20 Uhr in der F.A.Z. Edition.

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