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Heike Makatsch im Gespräch : Wie schön, wenn’s schiefgeht

  • Aktualisiert am

Heika Makatsch auf dem roten Teppich von Cannes vor drei Wochen Bild: action press

Ist das Theater mutiger als der Film? Ein Gespräch mit der Schauspielerin Heike Makatsch über die Arbeit auf der Bühne und auf dem Set, über Regisseure da und dort und Leute, die furchtlos ihr Ding machen.

          6 Min.

          Vor ein paar Jahren haben Sie dezent mit dem Theaterspielen begonnen. In Leipzig, beim Intendanten und Regisseur Sebastian Hartmann. Ihre erste Rolle war die, die Nastassja Kinski in „Paris, Texas“ gespielt hat. Wie war das als Quereinsteigerin für Sie, die allererste Premiere vor einem vollen Theatersaal?

          Gut? Ich weiß es echt nicht, denn ich war vor allem mit solch bescheuerten Gedanken beschäftigt wie: „Kann man mich überhaupt hören?“, „Muss ich noch lauter sprechen?“ oder „Bin ich zu steif?“ Lauter Fragen nach dem Wie-wirke-ich, die mich im Film bisher überhaupt nicht beschäftigten. Es war zum Glück eine ziemlich textarme Rolle, ich musste nur viel singen. Da solche Unregelmäßigkeiten, wenn jemand nicht so ganz reinpasst, auf einer Bühne aber auch ganz ansprechend wirken können, hoffe ich, dass das damals bei mir so war.

          Haben Sie Sebastian Hartmann zugesagt, weil es die berühmte Kinski-Rolle aus dem Film von Wim Wenders war?

           Ich glaube, das war eher der Grund, weshalb Sebastian Hartmann überhaupt auf mich gekommen ist. Ich wollte aber schon länger mal Theater spielen, einfach als Erfahrung für mich. Ich hatte das Gefühl, dass ich durch meine Kollegen in Leipzig, die mir auch so ein bisschen zeigten, wo es langgeht, noch etwas lernen konnte.

          Sie mögen es, wenn man Ihnen sagt, wo es langgeht?

          Vielleicht nicht in jeder Lebenslage. Aber ich mag es zum Beispiel, wenn ein Regisseur weiß, was er will. Ich komme zwar auch damit klar, wenn er das nicht so genau weiß, dann finde ich auch meinen Weg. Aber, ja, eigentlich würde ich gern genutzt werden. Ich bin Schauspielerin. Mein Traum ist es, dass ein Regisseur mit mir seine Vision umsetzt und mehr aus mir herausholt, als ich selbst in mir vermutete.

          Sind Sie heute denn auf der Bühne lockerer?

          Das wird sich zeigen, ich habe ja schon länger nicht mehr Theater gespielt. Es waren ja wirklich nur drei Produktionen in Leipzig. Ich habe aber schon das Gefühl, dass ich heute souveräner bin. Gerade die überhöhte, unnaturalistische Art zu spielen, die Sebastian Hartmann fordert, hat mich zunächst eingeschüchtert, fast gelähmt. Ich stand immer da und dachte: „Was soll ich denn jetzt zeigen, und wo soll ich das denn bitte in mir finden?“ Meine Kollegen wussten auch immer genau, wie die Stimmung im Publikum war, auch wann jemand rausgegangen ist - ich selber habe davon nichts mitbekommen. Ich habe das Theaterpublikum komplett ausgeblendet, wie ich es beim Drehen gelernt habe, wo man ja auch den Kameramann, der direkt vor einem steht, zu ignorieren gelernt hat und den „Angler“, der einem in einer emotionalen Szene das Mikro unter die Nase schiebt.

          Gab es Ressentiments gegen Sie, den Gast-Filmstar?

          Nein. Hartmann hat das Experiment geschickt abgefedert, mich auch nicht in einer Hauptrolle nach vorn geschickt, sondern ins Ensemble eingebettet. Aber wenn ich Menschen treffe, dann denke ich generell nicht, dass sie sich so oder so verhalten, nur weil sie mich aus dem Fernsehen kennen. Das will ich einfach nicht. Ich hatte eine gute Zeit in Leipzig, gerade bei „Krieg und Frieden“, mit dem wir ja sogar zum Theatertreffen eingeladen waren. Die Proben waren anstrengend und frustrierend, ein ewiges Reden und Suchen, bei dem niemand wusste, wie es gehen sollte, der Regisseur zeitweise auch nicht mehr - und am Ende ist es dann doch aufgegangen. Seitdem ahne ich, dass das am Theater offenbar aber so läuft und sein muss.

          Der Regisseur Stephan Kimmig, mit dem Sie nun am Deutschen Theater das Stück „Tag der weißen Blume“ des russischen Autors Farid Nagim geprobt haben, das gerade die 20. Autorentheatertage eröffnet hat, ist nun eher das Gegenteil von Hartmann. Kimmig gilt als jemand, der feinfühlig das psychologische Erbe eines Luc Bondy in die Gegenwart rettet. Kam Ihnen das entgegen?

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