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Abschied im Ohnsorg-Theater : In erdenschweren Höhen

  • -Aktualisiert am

„Tratsch im Treppenhaus“ im Frankfurter Fritz Rémond Theater: Heidi Mahler mit Manfred Bettinger im September 2018 Bild: Peter Bocklage

Soda und Gomorra: Im Hamburger Ohnsorg-Theater geht in diesen Tagen eine Ära zu Ende. Heidi Mahler gastiert noch einmal in der Paraderolle ihrer Mutter.

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          Der Wahnsinn in Schwarzweiß begann stets mit dem milden Schlag eines Gongs. Dann schwenkte die Kamera ins Publikum und über die Reihen erwartungsfroh und heiter-aufgeräumt im Parkett sitzender Menschen hinweg. Das Rascheln von Programmheften war zu hören, vielleicht noch aufgeregtes Getuschel und ein letztes Räuspern. Rauschend öffnete sich dann der Vorhang, und es begann das, was in den sechziger Jahren Fernsehgeschichte schrieb und bundesweit das Volkstheater revolutionierte: eine Übertragung aus dem Hamburger Ohnsorg-Theater. Als 1962 zum ersten Mal der spätere Dauerbrenner „Tratsch im Treppenhaus“ gesendet wurde, soll die Einschaltquote bei heute unvorstellbaren 79 Prozent gelegen haben.

          Am Silvesterabend des Jahres 1966 wurde das Stück dann in einer neuen Inszenierung, aber mit gleicher Besetzung live im ersten Programm übertragen. Spätestens seit diesem magischen Abend – die Aufführung wird bis heute an jedem Neujahrstag gesendet – wurden die bislang nur regional bekannten Ohnsorg-Schauspieler zu gesamtdeutschen Stars. So der wunderbar vernuschelte Henry Vahl als Ewald Brummer, wie er mit einem Karnickel im Karton reichlich „duun“ (also auf Norddeutsch beschwipst) durch das Treppenhaus flottierte. Kollektiv dann der Aufschrei fröhlichen Entsetzens im Publikum, wenn Karton und damit Karnickel plötzlich durchs Treppenhaus zu fliegen drohten.

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