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„Harry Potter“ im Theater : Jetzt ist Hermine auch noch Zaubereiministerin!

  • -Aktualisiert am

Wo der siebte Band der „Harry Potter“-Saga endet, fängt das Theaterstück an: die Familien Weasley (links) und Potter auf Gleis Neundreiviertel. Bild: Manuel Harlan

Wenn der Zeitumkehrer anspringt, ist auch Lord Voldemort nicht fern: „Harry Potter und das verwunschene Kind“ spinnt am Londoner Palace Theatre die Erfolgssaga fort.

          Selten dürfte ein Theaterpublikum fast bis zum letzten Mann mit Experten bestückt gewesen sein, wie jetzt im Londoner Palace Theatre, das für die jüngste Wendung der Harry-Potter-Saga auserkoren wurde. Immer wieder rauscht während dieser Vorpremiere der Saal von einem kollektiven Nach-Luft-Schnappen bei frischen Enthüllungen über das Schicksal vertrauter Figuren. Diese Novitäten sind geschickt über die mehr als fünf Stunden gestreut, die das Autorenteam für die zweiteilige Fortsetzung von J. K. Rowlings Romanreihe über den Zauberlehrling anberaumt hat.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Nicht weniger geschickt ist freilich auch die mediale Inszenierung der Uraufführung von „Harry Potter and the Cursed Child“ („Harry Potter und das verwunschene Kind“), mit dem die Abenteuer nun szenisch in die achte Folge weitergeführt werden. Das Konzept für eine Bühnenfortsetzung stammt von den Produzenten Sonia Friedman, einer führenden Gestalt im britischen Theater, und Colin Callender, der einmal als einer der mächtigsten Briten in den Vereinigten Staaten bezeichnet worden ist. Beide holten vor etwa drei Jahren den Segen der Harry-Potter-Schöpferin ein. Die Produzenten lieferten auch die Mitarbeiter, den Drehbuchautor Jack Thorne und den Regisseur John Tiffany, die zusammen mit Rowling die Handlung entwickelten.

          Als Ausgangspunkt dient der Epilog zu der vor neun Jahren erschienenen siebten Folge, „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“. Er spielt am Gleis Neundreiviertel des Kings-Cross-Bahnhofes endet, wo der inzwischen im Zaubereiministerium tätige Harry Potter und seine Frau Ginny, die jüngste der Weasley-Geschwister, ihre beiden Söhne ins Zauberinternat Hogwarts verabschieden. Genau dort setzt das Theater-Abenteuer an. Für Albus, Harry Potters Zweitgeborenen, ist es die erste Reise auf dem Hogwarts-Express. Er wird in Hogwarts, wo Professor McGonagall die Leitung übernommen hat, eingeschult und ist erfüllt von Ängsten vor dem Ungewissen, die sein älterer Bruder lustvoll schürt. Der Erstklassler trägt die doppelte Erblast, der Sohn des legendären Zauberers zu sein, der einst den bösen Lord Voldemort besiegte, und zugleich benannt worden zu sein nach zwei Hogwarts-Legenden, dem ehemaligen Schulleiter Albus Dumbledore, der eine Art Vaterfigur für den verwaisten Harry Potter war, und Severus Snape, der ihn in die Kunst der Zaubertrankbrauens eingewiesen hat.

          Das immerwährende Eltern-Kinder-Motiv

          Der junge Albus Severus ist zudem geplagt von dem üblichen Leiden des sich unverstanden fühlenden Teenagers. Zum Leidwesen seines Vaters, der inzwischen unter der zur Zaubereiministerin beförderten Hermine für das Ressort Magische Strafverfolgung zuständig ist, und seiner gleichaltrigen Kusine Rose, der Tochter von Hermine und Ron, freundet sich Albus bereits auf dem Hogwarts-Express ausgerechnet mit Skorpius Malfoy an, dem Sohn von Harrys ehemaligem Gegenspieler Draco Malfoy. Obwohl dieser sich von der Macht des Bösen distanziert hat, betrachtet Harry den ehemaligen Mitschüler noch immer mit einem Argwohn, den Alex Price in der Partie des inzwischen schlohweißen Malfoy mit trockener Selbstironie bisweilen fördert, wenn er nicht durch väterliche Sorge in die Position des Bittstellers getrieben wird.

          Man hätte das Stück denn auch „Väter und Söhne“ nennen können. Die komplizierte Handlung dreht sich nach Abschälen der Thriller- und Zauberelemente, die sich um das Ansinnen von Albus und Skorpius ranken, ein Unrecht aus der Vergangenheit zurechtzubiegen, im Wesentlichen um die Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Während Zweifel und Schuldgefühle die Eltern belasten, hegen die Kinder Ressentiments. Auch erwachsen gewordene Kinder. In einer emotionalen Auseinandersetzung mit dem als Porträt vergegenwärtigten Dumbledore, der mit seinem Zögling interagiert, bricht aus Jamie Parkers Harry Potter der aufgestaute Zorn über das Trauma der Kindheit bei den stumpfsinnigen Dursleys heraus.

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