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Gudrun Wagner ist gestorben : Was wird nun aus Bayreuth?

  • -Aktualisiert am

Der „Grüne Hügel” im Herbst des Patriarchen: Was wird aus den Richard-Wagner-Festspielen? Bild: AP

Wenn stimmt, dass Gudrun Wagner die Fäden bei den Bayreuther Festspielen in ihrer Hand hielt, weil ihr Mann dazu gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, dann stellt sich seine Nachfolgefrage nach ihrem überraschenden Tod dringlicher denn je. Akuter Handlungsbedarf für den Stiftungsrat.

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          Sie war seine rechte Hand und galt vielen als heimliche Chefin der Bayreuther Festspiele. Niemand, womöglich nicht einmal Wolfgang Wagner selbst, kannte die Verhältnisse auf dem „Grünen Hügel“ besser als seine Ehefrau Gudrun. Noch im Jahr 2000 hatte der Wagner-Enkel sie als seine Nachfolgerin favorisiert, um dann doch weiter trotzig an seinem vertraglich zugesicherten Recht auf lebenslängliche Festspielleitung festzuhalten, als der Stiftungsrat 2001 stattdessen seine Tochter Eva Wagner-Pasquier nominierte.

          Während alle Welt sich notorisch Sorgen um den Gesundheitszustand des achtundachtzig Jahre alten Festspielleiters machte, ist nun am Mittwochmorgen Gudrun Wagner überraschend im Alter von nur dreiundsechzig Jahren gestorben. „Wir sind alle schockiert“, sagte eine Sprecherin der Festspiele. Gudrun Wagner habe sich vor wenigen Tagen für eine Operation ins Bayreuther Klinikum begeben und diese Operation scheinbar gut überstanden. Wolfgang Wagner übermittelte: „Tiefbewegt und in stiller Trauer muss ich bekanntgeben, dass heute morgen meine liebe Frau und engste Mitarbeiterin Gudrun Wagner völlig unerwartet verstorben ist.“

          Akuter Handlungsbedarf für den Stiftungsrat

          Eine Zeitungsannonce hatte die in Ostpreußen geborene Gudrun Armann, die bei Regensburg aufwuchs und zur Fremdsprachenkorrespondentin ausgebildet wurde, im Jahr 1965 auf eine freie Stelle im Pressebüro der Bayreuther Festspiele aufmerksam gemacht. Aus enger Zusammenarbeit mit dem Festspielchef wurde Liebe: Wolfgang Wagner trennte sich von Ellen Drexel, der Mutter von Eva Wagner-Pasquier, Gudrun verließ ihrerseits ihren ersten Ehemann Dietrich Mack, einen Wagner-Forscher, und 1976 wurde geheiratet. Bösen Zungen, die in ihr seinerzeit eine „Cosima III“ sehen wollten, begegnete sie voller Gleichmut. 1978 wurde ihre Tochter Katharina geboren, die sich derzeit um das Amt ihres Vaters bemüht (siehe auch: Katharina Wagner und Christian Thielemann: „Wir haben uns entschieden, gemeinsam anzutreten“). 2004 wurde Gudrun Wagner für herausragende Leistungen im Kulturmanagement von der lettischen Kulturakademie mit dem „Rienzi-Preis“ ausgezeichnet.

          Gudrun Wagner 1944 - 2007
          Gudrun Wagner 1944 - 2007 : Bild: ASSOCIATED PRESS

          Bei der Leitung des Festspiele hat sich Gudrun Wagner offiziell im Hintergrund gehalten. Wenn jedoch stimmt, wie aus dem engsten Umkreis des Festivals schon seit Jahren verlautet, dass sie die Fäden längst fest in ihrer Hand hielt, weil ihr Mann dazu gesundheitlich nicht mehr in der Lage sei, stellt sich die Nachfolgefrage nun dringlicher denn je. Der Patriarch wird erst recht darauf drängen, seiner jüngsten Tochter, die sich gemeinsam mit dem Dirigenten Christian Thielemann und dem Kulturmanager Peter Ruzicka beworben hat, die Leitung zu übergeben. Bei allem Tatendrang und aller Energie, die Katharina ausstrahlt, wird sie die Geschäfte nun ohne ihre Mutter kaum im Hintergrund allein führen können. Zum ersten Mal gibt es für den Stiftungsrat also akuten Handlungsbedarf. Man darf gespannt sein, was für Schlüsse er aus dieser Situation ziehen wird.

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