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Großbritannien : Rechte Ausfallschritte einer Ballerina

Schwarze Flecken auf weißem Rock: Simone Clarke Bild: AP

Simone Clarke, erste Solistin des English National Ballet, verkörpert auf der Bühne unschuldige Märchengestalten. Doch nun ist ihr Ruf ramponiert - es wurde bekannt, dass sie einer extrem rechten Partei angehört.

          Auf der Bühne verkörpert sie die schönen, unschuldigen Märchengestalten des klassisch-romantischen Balletts, die über das Leben erhaben sind oder vom Bösen zerstört werden - die Zuckerfee im „Nussknacker“, die Prinzessin Aurora aus „Dornröschen“, die Kitri, die Don Quichotte zu seiner Dulcinea erklärt, oder das verführte Bauernmädchen Giselle, das an gebrochenem Herzen stirbt. Dieser Tage aber ist Simone Clarke, erste Solistin des English National Ballet, wegen ihrer politischen Ansichten im Gespräch.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Ein Journalist des „Guardian“, der sieben Monate lang in die Rolle eines Aktivisten der extrem rechten British National Party geschlüpft ist, hat die Tänzerin neben anderen mittelständischen Londonern als Parteimitglied entlarvt. Manche verlangen nun, dass sie aus dem Ensemble entlassen wird. Bislang stellt man sich dort jedoch auf den Standpunkt, den auch der Buckingham Palast im Falle eines Hofbediensteten vertritt, dem ebenfalls Verbindungen zur BNP nachgewiesen wurden. Ein Sprecher beschränkte sich auf die Formel, dass man keinen Kommentar abgeben wolle zum Privatleben der Tänzer.

          Odile schlägt Odette

          In den Augen ihrer schärfsten Kritiker scheint Simone Clarke nun die dämonischen Eigenschaften einer ihrer bevorzugten Partien angenommen zu haben: Hört man die empörten Äußerungen etwa des Vorsitzenden der Nationalen Versammlung gegen den Rassismus, dann ist die graziöse Odette aus Tschaikowskis „Schwanensee“ ganz und gar verdrängt worden von ihrem Alter Ego als böse Odile.

          Simone Clarke bedauert, dass sie fortan als die „BNP-Ballerina“ bekannt sein werde. Dennoch steht die 36 Jahre alte Tänzerin zu ihren Ansichten. Sie ist der BNP vor achtzehn Monaten beigetreten, als sie bei den Fernsehnachrichten wieder ins Meckern geriet über den Zustand der Welt und ihr Lebensgefährte Yat-Sen Chang, ein kubanisch-chinesischer Tänzer, der ebenfalls erster Solist des ENB ist, ihr riet, nicht bloß zu klagen, sondern etwas zu unternehmen. Im Internet hat sie daraufhin das Programm der BNP gelesen. Die Einstellungen zur Einwanderung, zur Kriminalität und zur Steuerpolitik fanden derartigen Anklang, dass sie auf der Stelle ihre Mitgliedsgebühr zahlte.

          Nicht besonders politisch

          Simone Clarke bezeichnet sich als ganz gewöhnlich und nicht besonders politisch. Die Tochter eines Mathemathiklehrers und einer Sekretärin wurde in Leeds geboren und besuchte eine katholische Grundschule, bis sie mit zehn Jahren als eine von 4500 Bewerbern um 23 Stellen von der Royal Ballet School in London aufgenommen wurde.

          Ihr Fall ist symptomatisch für die Verdrossenheit vieler Briten mit den etablierten Parteien, von der die British National Party unter ihrem gewieften Führer Nick Griffin zu profitieren hofft. Er hat das rowdyhafte Image der extremen Rechten, die ihre Gefolgschaft vornehmlich in der sich als entrechtet empfindenden weißen Arbeiterschicht findet, heruntergetönt und verlangt, dass die geschorenen Köpfe und Stiefel feinen Anzügen und einer gepflegteren Sprache weichen sollen. Das hässliche Gesicht mag retuschiert worden sein, aber die Katze lässt das Mausen nicht.

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