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Genfs Opernhaus ist saniert : Zurück zur Belle Époque

Fresken von Paul Millet an der Decke des Hauptfoyers in der Étage noble des Grand Théâtre Genf. Bild: Fabien Bergerat

Ein Bekenntnis zum neunzehnten Jahrhundert: Das Grand Théâtre in Genf wurde saniert und eröffnet mit Wagners „Ring“.

          Der erbspüreefarbene Wandanstrich im Atrium ist verschwunden. Haselnuss, Karamell und Chamois wechseln nun farblich in regelmäßigen Perioden. Wucht und Wärme finden zusammen. Der Raum hat Weite und Wohnlichkeit zugleich; er beruhigt, ohne zu bedrücken. Wo bislang leere Quader zwischen den verputzten Deckenträgern gähnten, bergen jetzt von Schnitzwerk gefasste Stuck-Kassetten den Eintretenden mit reichlich Akanthuslaub.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Ganz entschieden hat man sich in Genf, der Stadt Jean-Jacques Rousseaus, bei der Sanierung des Grand Théâtre gesagt: „Zurück zur Belle Époque!“. Aus einer einzigen noch erhaltenen Kassette, die hinter der Vergipsung von 1962 aufgetaucht war, hat man die gesamte Decke nach dem Geschmack der Pariser École des Beaux-Arts um 1875 rekonstruiert. Auch das Intarsienparkett im Vorfoyer der Étage noble, ein Geschoss darüber, ist auf diese Weise wiederhergestellt worden, nachdem die ornamentlosen Teppichbeläge der Nachkriegsmoderne ihren Dienst getan hatten.

          In Genf hatte kein König wie in Dresden, kein „Volk sich selbst“ wie in Prag, sondern das Bürgertum seiner eigenen Stadt im Jahr 1879 durch den Architekten Jacques-Elysée Goss ein Theater bauen lassen, das mit schüchternem Neid nach dem Pariser Palais Garnier schielte, jener Oper, die ein Prachtbau des Zweiten Kaiserreichs werden sollte, nur dass der Pracht bei der Eröffnung 1875 inzwischen der Kaiser abhandengekommen war. Ganz so prunkfroh fiel das Grand Théâtre in Genf nicht aus, aber ansehnlich muss es gewesen sein – bis ein Brand es im Jahr 1951 zerstörte. Bühne und Zuschauersaal waren nach der Katastrophe nicht mehr zu retten.

          Ansicht der Fassade des Grand Théâtre Genf von der Place de Neuve aus.

          Bei den Vorräumen entschloss man sich vor sechzig Jahren, als jener Beaux-Arts-Stil noch als „schlechtes neunzehntes Jahrhundert“ galt, zur „Purifikation“. Doch inzwischen können wir offenbar wieder entspannter mit jener Vielfalt leben, die diesen sinnenfrohen Historismus als Haltung geistiger Gastfreiheit gegenüber allerlei Zeiten und Stilen auszeichnete. Das große Rangfoyer mit seinen Fenstern zur Place de Neuve scheut sich nicht vor einem Farbenspiel aus Gold, Buttercreme, Veilchen und Himbeere an Wänden und Simsen, auch nicht vor halbnackten Musen an den blumenreichen Deckenfresken, behütet von des Himmels Blau.

          Ort der Vielfalt, sinnenfroh: Deckenfresko von François Furet im Foyer Rath des Grand Théâtre in Genf .

          Vor zweieinhalb Jahren hatte die Sanierung des Genfer Opernhauses durch die Büros der Architekten François Dulon und Danilo Ceccarini begonnen. Knapp siebzig Millionen Schweizer Franken, also reichlich sechzig Millionen Euro soll sie gekostet haben. Gemessen an den gut vierhundert Millionen Euro für die Berliner Staatsoper oder der üppigen halben Milliarde für die Oper in Köln, klingt das wenig. Aber man darf nicht vergessen, dass in Genf keine Sanierung des Zuschauersaales und der Bühne nötig war. Dort liegt die letzte Ertüchtigung erst dreizehn Jahre zurück. Lediglich eine Lüftungsanlage ist nachgerüstet worden.

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