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Fusion der SWR-Orchester : Aufstand der Dirigenten

Boulez und das SWR-Orchester im Rosbaud-Studio. Gut, dass es noch steht! Bild: SWR/Peter A. Schmidt

Der Rundfunkrat will zwei Symphonieorchester auflösen und anschließend zu einem zusammenlegen. 160 Dirigenten sprechen sich nun gegen die Fusion aus. Kann der offene Brief an den SWR noch etwas retten?

          Klar, es ist fünf nach zwölf. Schon seit mehr als einem Jahr. Im September 2012 hatte der Rundfunkrat beschlossen, das SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg und das RSO Stuttgart im Jahr 2016 aufzulösen. Resignation macht sich breit. Der Ausdünnungsprozess ist bereits in vollem Gange. Die beiden Orchester beharken einander gegenseitig, das eine will sich via Stiftungsgründung selbständig machen, das andere hat triumphierend schon die Standortfrage für sich entschieden. So ist das leider: In der Not denkt jeder zuerst ans eigene Hemd.

          Eleonore Büning

          Redakteurin im Feuilleton.

          Aus dem, was übrig bleibt, soll dann irgendwann, laut Beschlussvorlage, ein neues, variables Superorchester mit zweihundert Musikern formiert werden. Achtzig Planstellen fallen dabei weg. Die Verwaltungskosten für diese Fusion sind schwer abzuschätzen, auch das Einsparpotential ist unbekannt. Und auch über die „genaue Ausgestaltung des Profils des neuen Orchesters“ kann der SWR noch „keine genauen Angaben“ machen (laut Drucksache 15/3130 des Landtages von Baden-Württemberg).

          160 Dirigenten opponieren

          Insofern ist fünf nach zwölf der perfekte Zeitpunkt, um aus dem Gehakel beim Sortieren der Asche einmal kurz aufzublicken und die einfache, in einer Demokratie allezeit zulässige Frage, bei oligarchischen Zuständen manchmal notwendige Frage zu stellen: Warum sollte dieser Beschluss, der nach der Expertise von hundertsechzig ausgewiesenen Sachverständigen „künstlerisch unsinnig“ ist, außerdem „ökonomisch zumindest fragwürdig und darüber hinaus ein kulturpolitischer Offenbarungseid“, nicht rückgängig zu machen sein?

          Hundertsechzig Dirigenten nämlich haben einen „offenen Brief“ an den SWR-Intendanten Peter Boudgoust geschrieben, der am heutigen Mittwoch veröffentlicht wird. Sie erklären: „Das SWR-Sinfonieorchester konnte seit jeher Partituren gerecht werden, die für andere Orchester schlicht unspielbar wären. Auf der Welt dürfte es kein zweites Orchester geben, dessen Musiker sich so selbstverständlich und auf so hohem spieltechnischen Niveau für die Musik der Gegenwart einsetzen.“ Sie erinnern: „In den letzten 20 Jahren sind in Deutschland insgesamt 36 Orchester aufgelöst worden und unwiederbringlich von der Landkarte verschwunden.“

          Und sie fordern, damit dies nicht wieder geschehe, klipp und klar eine Revision des Rundfunkratsbeschlusses: „Mit einer Rücknahme des Fusionsbeschlusses können Sie Ihren Beitrag leisten zur Bewahrung der weltweit einzigartigen deutschen Orchesterlandschaft. Sie sollte es Ihnen und uns allen wert sein, denn nur Vielfalt schützt uns vor Einfalt.“ Auch die Landtagsabgeordneten haben den offenen Brief der Dirigenten auf dem Tisch, wenn sie morgen im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Kunst abermals die Frage der Orchester-Fusion beraten. Dabei geht es, in einem zweiten Schritt, um die eventuelle Beteiligung des Landes an einer neu zu gründenden Stiftung zur Rettung des SWR-Orchesters Baden-Baden und Freiburg. Der weiterreichende Antrag ist freilich der, den die Dirigenten heute stellen. Er muss zuerst verhandelt werden - auf breitester Ebene.

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