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Früherer Chefdirigent der Münchner Philharmoniker : Lorin Maazel gestorben

Lorin Maazel 1930 - 2014 Bild: dpa

Lorin Maazel galt als einer der brillantesten Dirigenten und Komponisten seiner Zeit. Bis Juni war der Amerikaner Chefdirigent der Münchner Philharmoniker.

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          Lorin Maazel war ein Wunderkind, das der Welt bis zuletzt zu staunen gab. Im Alter von neun Jahren dirigierte der Sohn zweier amerikanischer Musiker, der 1930 im Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine zur Welt gekommen war, zum ersten Mal ein Orchester – zunächst das Jugendorchester eines Sommerfreizeitlagers in Michigan, das bei der New Yorker Weltausstellung auftrat, und dann wenige Monate später auch das Symphonieorchester von Pittsburgh, zu dem er 1988 als Chefdirigent zurückkehrte. Die gleiche Position bekleidete er beim Orchestre de Paris, in der Deutschen Oper und beim Radiosymphonieorchester Berlin, in Cleveland (als Nachfolger des legendären George Szell), Valencia und von 2002 bis 2009 bei den New Yorker Philharmonikern, die er erstmals 1942 dirigiert hatte.

          Patrick Bahners

          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Mit acht Jahren hatte er mit seinem Vater die Partitur von Haydns Symphonie mit dem Paukenschlag studiert, mit sieben Jahren mit dem Geigenunterricht begonnen und mit fünf Jahren mit dem Klavierunterricht. Im Jahre 2013 gab Maazel nach eigener Zählung 102 Konzerte in 28 Städten. Er war ein Perfektionist, der in seiner langen Karriere als Leiter vieler großer Orchester und Institutionen wegen seiner hohen Ansprüche gefürchtet war.

          Als er 1982 die Leitung der Wiener Staatsoper übernahm, erklärte er auf seiner ersten Pressekonferenz, er wolle das Haus wieder so führen wie Gustav Mahler und Richard Strauss – in alleiniger Verantwortung. Schon nach zwei Jahren gab er das Amt wieder auf. In einem Artikel in der „New York Times“ beklagte er banausische Einmischungen der Wiener Kulturpolitik.

          Maazel war der erste Amerikaner, der bei den Bayreuther Festspielen dirigierte. Die Berliner Philharmoniker zogen ihm 1989 Claudio Abbado als Nachfolger Herbert von Karajans vor. Ein Jahrzehnt lang, von 1993 bis 2002, prägte der das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Nach dem abrupten Abschied Christian Thielemanns von den Münchner Philharmonikern wurde er von den Musikfreunden der Strauss-und-Wagner-Stadt als Retter begrüßt. Sein Kollege Michael Gielen hat Maazels so präzisen wie zurückgenommenen Dirigierstil einmal als krokodilhaft charakterisiert: Brillanz des Klangs, Objektivität der Form – diese Ideale machte Maazels souveräner Gestus sichtbar. Im vergangenen Monat hatte er seinen Rücktritt als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker verkünden müssen. In Castleton Farms, Virginia, wo er mit seiner dritten Frau Dietlinde Turban ein Musikfestival begründet hatte, ist Lorin Maazel am Sonntag im Alter von 84 Jahren gestorben.

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