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Corona und freie Musiker : Wir werden das nicht lange durchhalten

  • -Aktualisiert am

Die Schalmeivirtuosin und Leiterin der Capella della torre Katharina Bäuml Bild: Anna-Kristina Bauer

Freischaffende Musiker wie im Ensemble Modern oder in der Akademie für Alte Musik Berlin werden von den Konzertabsagen wirtschaftlich ins Mark getroffen. Spenden könnten helfen. Der Ruf nach dem Staat wird laut.

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          Klingelt dieser Tage das Telefon von Katharina Bäuml, hat die Leiterin des Alte-Musik-Ensembles Capella de la torre stets eine böse Vorahnung: „Das ist wieder eine Absage, denke ich jedes Mal und frage dann: ,Haben Sie schlechte Nachrichten für mich?‘“ So gut wie immer sind sie miserabel: Eine Konzertabsage folgt der nächsten. „Zehn Stück binnen weniger Stunden waren es jüngst bei mir, eine sogar für September.“ Bis Sonntagmittag waren es sechzehn. Noch schlimmer: „Es hört leider nicht auf zu klingeln.“

          So ähnlich berichten es gerade alle Kollegen Bäumls. Die freie Szene – allen voran die Ensembles und Orchester – ist von den Ausfällen als Folge der Corona-Krise am härtesten betroffen. Die Künstler leben weitgehend von ihren Aufritten und Tourneen, einige von der Hand in den Mund. Die Absagen fallen noch dazu in eine absolute Hochzeit der Konzerttätigkeit: März und April sind – auch wegen Ostern – traditionell die Monate, in denen besonders viele Veranstaltungen über die Bühne gehen. Die damit verbundenen finanziellen Verluste sind so gravierend, dass ein Sterben unter den Ensembles droht. Denn Ausfallhonorare gibt es nicht, da es sich um höhere Gewalt handelt – und versichert sind maximal Tourneen auf anderen Kontinenten.

          Das Freiburger Barockorchester, das nur aus freien Mitgliedern besteht, gab die Honorareinbußen in einem Brandbrief an Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit 314.800 Euro bis 10. April an. Von da an bis Ende August steht dem Schreiben zufolge eine weitere Million Euro im Feuer, wenn sich die Lage nicht bessert, was derzeit nicht absehbar ist. Obendrein rechnet der Klangkörper mit einem Minus von Zehntausenden oder gar Hunderttausenden Euro für schon gezahlte Kosten für Hotels, Transporte sowie Tickets für Flieger und Bahn. „Ohne Hilfe von staatlicher Seite ist ein solcher Ausfall nicht zu kompensieren“, hieß es in dem Brief, der dieser Zeitung vorliegt.

          „Der Sorge vor der Krankheit folgte die Panik vor dem Existenzverlust“, berichtet Bäuml. „Wir werden immer nur bezahlt, wenn der Job erledigt ist. An meinem Ensemble hängen zehn Leute.“ Die Musikerin, die in ihrer Truppe Schalmei – die Vorgängerin der Oboe – spielt, beziffert ihre Einnahmen im März auf null. Und im April und vielleicht sogar im Mai dürfte es kaum besser aussehen. Dass ihr Veranstalter erklärten, sie solle sich keine Sorgen machen, das abgesagte Konzert werde kommendes Jahr nachgeholt, nennt Bäuml „eine freundliche Geste“. Allerdings: „Ich muss meine Miete und mein Essen dieses Jahr bezahlen.“ Dabei gibt die Künstlerin regelmäßig Meisterkurse an verschiedenen Musikhochschulen.

          Doch die Einnahmen aus dem Unterricht allein reichen nicht aus, den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Haupteinnahmen freischaffender Musiker wie Bäuml kommen aus Konzerten. „Unsere Orchestermitglieder arbeiten alle frei“, sagt Alexander Hollensteiner, Geschäftsführer der Kammerakademie Potsdam. „Wenn auch andere berufliche Standbeine wie Unterrichtsstunden wegfallen, wird es schnell existenzbedrohend.“ Laut Hollensteiner ist auch sein Orchester als Einrichtung bedroht, sollte die Stadt Potsdam kein Geld zuschießen, „weil wir unserem Kulturauftrag nicht nachkommen können, da wir keine Konzerte geben“. Er hofft, die Kommune habe ein Einsehen, fürchtet aber, dass in Krisenzeiten die Kultur „nicht als Erstes gerettet“ werde. „Ohne Zuwendungen der Stadt kann ich die Gehälter unserer zehn Angestellten ab April nicht auszahlen. Dann geht hier ganz schnell das Licht aus.“

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