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Salzburger Festspiele : Schreckensschönheitsschrei

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Starke Litauerinnen: Elektra (Aušrinė Stundytė, links) ist entsetzt über die Lebenszugewandtheit ihrer Schwester Chrysothemis (Vida Miknevičiūtė). Bild: Bernd Uhlig

Mit Richard Strauss sind die Salzburger Festspiele erst ganz bei sich selbst – besonders dann, wenn Franz Welser-Möst die Wiener Philharmoniker dirigiert. Er denkt diese Nerven-Musik ganz mit dem Herzen.

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          Die einzig wirkliche Freundschaft, die die Wiener Philharmoniker gehabt haben, be­merkte Otto Strasser, viele Jahre einer der Geiger des Orchesters, „hat Richard Strauss geheißen“. Seinerseits hat der Komponist in „Bewunderung und Dankbarkeit“ dem Orchester für „viele Stunden schönsten künstlerischen Genusses“ seinen Dank gesagt. So gehört es zu den ungeschriebenen Gesetzen der Tradition, dass die Salzburger Festspiele recht eigentlich erst mit seiner Musik beginnen. So auch in diesem Jahr. Franz Welser-Möst dirigierte das erste philharmonische Konzert und die Wiederaufnahme der außerordentlich erfolgreichen Produktion von „Elektra“ aus dem vergangenen Jahr.

          Zu Beginn ein Reißer: die Suite aus „Der Rosenkavalier“. Er versetzte das Publikum des fast ausverkauften Hauses gleich mit den ejakulatorischen Hornrufen des anfänglichen Con moto agitato – den Ekstasen der Liebesnacht zwischen der Marschallin und ihrem Lover-Buben – in Hochstimmung; dann nicht minder mit den Walzer-Verklärungen wie mit den süß-melodischen Zitaten aus dem Schlussterzett, in dem der Oboist elegisch-süß sang wie sonst nur die Stimmen. Bindeglied zum Abschluss mit der bei den Festspielen erstaunlich selten aufgeführten „Alpensinfonie“ war eine Hommage an Hugo von Hofmannsthal: sechs Monologe aus „Jedermann“, 1943 von dem Schweizer Komponisten Frank Martin auf Wunsch des Baritons Max Christmann geschrieben. Der streng gläubige Komponist war tief beeindruckt vom Wechselfieber dieser Angst- und Weltabschiedsvisionen (nicht eigentlich Monologe), in denen sich „die psychologische und geistige Entwicklung der Hauptperson“ Ausdruck verschafft. Die Wirkung dieser Verse, syllabisch komponiert, ist abhängig vom scharfen Relief einer gemeißelten Wort-Klanggestalt.

          Schwer verständliche Sprache

          Mit diesen rezitatorischen Anforderungen tat sich der Bariton Matthias Goerne nicht leicht. Seine Stimme, in den letzten Jahren zunehmend in dramatischen Opernpartien eingesetzt, ist schwerer geworden. Gerade wegen ihrer imponierenden Fülle wird die Wortformung – die prägnant-rasche Verbindung artikulatorischer und resonatorischer Elemente – zum Problem. Zwar ist hoch zu rühmen, dass er bei seinem Vortrag auf das Pathos der Distanz bedacht war und auf jene Zuspitzungen verzichtete, die Roland Barthes als „Pleonasmus der Absicht“ verworfen hat. Nur blieb die Sprache, in der uns „das Evangelium die Erlösung durch die Liebe lehrt“ (Martin), ohne das Mitlesen des Textes nur schwer verständlich.

          In einem Interview hat Franz Welser-Möst darauf hingewiesen, dass es der „Geisteshaltung“ von Richard Strauss nicht entsprach, sich dem Überschwang zu ergeben. Ratsam besonders, wenn es um die Klangpracht seiner gewaltigsten Tondichtung geht: der „Alpensinfonie“. Nach eigenem Wort hat der Komponist mit diesem Werk das „Instrumentieren gelernt“ – die klangkombinatorische Kunst, sechzig Streicher mit jedem nur denkbaren Instrument zu verbinden, darunter Schlagwerke jeder Art, dazu Wind- und Donnermaschine, Kuhglocken und Tamtam. Nach dem nächtlichen Beginn der Bergwanderung werden die Musiker in jeder Station herausgefordert, mehr noch: vor solistische Mutproben gestellt, etwa wenn nach der lust-mühevollen Ersteigung des Gipfels mit dem gewaltigen Klangbild des Gletschers selig-selbstvergessen die Oboe ihre Figurationen formt. Welser-Möst und den brillant spielenden Philharmonikern gelang es, den oft als oberflächlich kritisierten Effekten – dem Glitzern eines in Regenbogenfarben changierenden Wasserfalls, dem Bimmeln von Glocken, dem Donnergrollen eines Gewitters – den herrlichen Glanz zu geben, in dem sich „die Anbetung der ewigen, herrlichen Natur“ (Strauss) erfüllt.

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