https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/findungskommission-fuer-intendanz-der-koelner-oper-17166218.html

Kölner Oper : Wird als Intendant ein Kastrat gesucht?

Das Staatenhaus, ein Messegebäude aus der Kölner Adenauerzeit vor dem Krieg, hat Birgit Meyer als Ausweichquartier für den Opernbetrieb ausgewählt. Aus der Not der Improvisation machte sie die Tugend des Experimentierens. Bild: www.teresa-rothwangl.com

Die Kölner Oberbürgermeisterin hat eine Findungskommission für die Neubesetzung der Opernintendanz eingesetzt. Der Machtzuwachs des Generalmusikdirektors könnte Kandidaten abschrecken.

          4 Min.

          „Herr Loebe ist nicht der Maßstab.“ Das sagte Ralph Elster, der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Köln, im Gespräch mit der F.A.Z. Dann muss sich Bernd Loebe also nicht auf die Stelle des Intendanten der Oper Köln bewerben, die zur Spielzeit 2022/23 frei wird, weil Oberbürgermeisterin Henriette Reker den Vertrag von Birgit Meyer nicht verlängert wissen will.

          Patrick Bahners
          Feuilletonkorrespondent in Köln und zuständig für „Geisteswissenschaften“.

          Loebe hat allerdings auch keinen Anlass, seine Bewerbungsunterlagen an die Kölner Personalberatung IFP zu schicken, die von der Stadt beauftragt worden ist, die Suche nach dem Nachfolger für Meyer zu organisieren. Erst vor wenigen Tagen hat der Magistrat der Stadt Frankfurt beschlossen, dass Loebes Intendantenvertrag bis 2028 verlängert wird. Falls er in sieben Jahren tatsächlich in den Ruhestand tritt, wird er 26 Jahre lang im Amt gewesen sein. Er ist das lebende Beispiel gegen die von Frau Reker bemühte Regel, dass es an der Spitze eines Opernhauses nach einem Jahrzehnt Zeit für etwas Neues um des Neuen willen sei.

          Einen anderen Grund für die Trennung von Birgit Meyer hat Frau Reker nicht genannt. Ralph Elster, dessen Fraktion als Juniorpartner der Grünen die parteilose Oberbürgermeisterin im Stadtrat stützt, rühmt die Verwaltungschefin für ihr konsequentes Denken. Es sei genau der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel. „Die Oberbürgermeisterin macht alles richtig mit den Abläufen, sonst werden wir mit der Neueröffnung am Offenbachplatz nicht im Plan liegen.“

          Am Dienstag hat Frau Reker einen neuen Termin für die Rückkehr von Oper und Schauspiel aus den rechtsrheinischen Ausweichquartieren in das von Wilhelm Riphahn nach dem Zweiten Weltkrieg errichtete Doppelhaus an der Nord-Süd-Fahrt bekanntgegeben, für dessen Instandsetzung inzwischen Kosten von 644 Millionen Euro veranschlagt werden. Als die Sanierung 2012 begann, rechnete man noch mit 253 Millionen Euro. Im März 2024 will Bernd Streitberger, der als Technischer Betriebsleiter mit der Rettung des Umbaus beauftragte frühere Baudezernent, die Anlage schlüsselfertig übergeben. Dann ist die Eröffnung zum Spielzeitbeginn 2024/25 möglich, ein Jahr später als zuletzt geplant. Jede Verzögerung auf der Baustelle, wo die Arbeiten noch gar nicht wieder begonnen haben, wird diesen Zeitplan allerdings wieder umwerfen.

          Der Chefdirigent bekam einen neuen Vertrag

          Elsters Bemerkung zu Loebe bezieht sich auf dessen scharfe Kritik am Umgang der Stadt mit Birgit Meyer. Der Frankfurter Intendant hatte im November namens der Deutschsprachigen Opernkonferenz, einer Arbeitsgemeinschaft von dreizehn großen Opernhäusern, einen offenen Brief an Reker gerichtet, der die Risiken eines kurzfristigen Intendantenwechsels in der „schwierigen Phase der Sanierung“ darlegt. Als „gewagten Akt“ kritisiert Elster den Brief der Opernkonferenz. „Dass eine Gruppe von Kollegen Frau Meyers sich in das Verfahren einschaltet, ist einzigartig.“ Die Oberbürgermeisterin hat Loebe nicht geantwortet, da sie auf offene Briefe grundsätzlich nicht reagiert.

          Gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ äußerte sich Loebe außerdem mit drastischen Worten über die Bedingungen des Vertrags des Kölner Generalmusikdirektors François-Xavier Roth, der auch wesentliche Arbeitsbedingungen für den künftigen Opernchef bestimmt. Im Gegensatz zu Meyers Vertrag ist Roths Vertrag vorzeitig verlängert und in Roths Interesse nachgebessert worden. Dass Roth künftig die Gastdirigenten auswählen darf und bei jeder einzelnen Rollenbesetzung einzubinden ist, bewertet Loebe als „Kastration“ des Intendanten. Er sagt voraus: „Unter diesen Bedingungen kriegt Köln keinen neuen Opernintendanten, jedenfalls keinen guten.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Elon Musk verlässt das Gerichtsgebäude in San Francisco.

          Umstrittene Tweets : Elon Musk triumphiert vor Gericht

          Im Prozess um Twitter-Einträge zu einem angeblichen Börsenrückzug von Tesla stellen sich die Geschworenen auf die Seite des Multimilliardärs. Und brauchten für diese Entscheidung nur wenige Stunden.
          Der Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main.

          Index-Rückkehr : Die Commerzbank kommt für Linde in den Dax

          Mit einer Hauruck-Aktion erfüllt die Commerzbank auf den letzten Drücker noch die Dax-Kriterien. Sofern nichts Außergewöhnliches mehr dazwischenkommt, nähert sich für die Bank eine schmerzhafte Zeit dem Ende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.