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Griechische Tragödie in Mossul : Der Tod war ihr Alltag

  • -Aktualisiert am

Schutzraum: Mohammed Al Safar steigt noch einmal in jenen Keller hinab, in dem er 2017 drei Monate lang mit seiner Familie ausharrte. Bild: Johannes De Bruycker

In den Trümmern der Stadt Mossul dreht Milo Rau mit Studierenden Szenen aus der griechischen Tragödie. Dort entscheidet ein Tribunal über Freiheit oder Tod. Wie urteilen die jungen Iraker über die IS-Kämpfer?

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          Suleik El Khabaz ist in Tränen aufgelöst. Die Kameras sind auf ihn und acht seiner Schauspielschüler gerichtet. Dicht hinter der Filmcrew steht der Schweizer Regisseur Milo Rau. Die jungen Männer aus Mossul sollen ihm sagen, was mit den Anhängern der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) passieren soll. Dürfen sie leben? Müssen sie sterben? „Zu viele Menschen sind in dieser Stadt gestorben“, sagt El Khabaz. Er zittert. „Niemand kann ersetzen, was ich hier verloren habe, aber trotzdem bin ich gegen das Töten. Wir müssen uns fragen, was hier passiert ist.“

          Das eingebrochene Dach der Kunstakademie in Mossul legt sich über El Khabaz und seine Schüler wie ein schützender Flügel. Sie sitzen auf Mauerresten, an denen noch mintgrüne Wandfarbe klebt. Sie sind zwischen siebzehn und 27 Jahre alt, tragen schwarze Kunstlederjacken und gegelte Frisuren. In den Drehpausen rauchen sie, stupsen sich gegenseitig an und machen Selfies. Nach der Ansprache von Suleik El Khabaz sind sie ernst. Drei Jahre lang lebten sie in dieser Stadt unter dem IS. Der Tod gehörte zu ihrem Alltag. Die Stille dehnt sich aus und Milo Rau denkt nach. Dann entscheidet er, weiterzumachen. „Wir filmen jetzt die Abstimmung!“

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