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Benedikt Stampas Pläne : Die Festspielidee wird sich ändern

Intendant des Festspielhauses: Benedikt Stampa hat viel vor in Baden-Baden Bild: dpa

Seit 2019 ist Benedikt Stampa Intendant des Festspielhauses Baden-Baden. Corona hat ihm den Start verhagelt – deshalb sucht er Wege, das Haus krisenfest zu machen. Ein Gespräch.

          6 Min.

          Anna Netrebko erklärte kürzlich, Corona habe ihr die Freude an der Musik genommen. Wie steht es mit Ihnen?

          Es gibt natürlich Tage, an denen man keine Musik mehr hört oder hören mag, weil man einfach nur noch traurig ist über die ganze Entwicklung. Aber es gab, gerade im letzten halben Jahr, musikalische Momente von unglaublich hoher Intensität, für die ich dankbar bin. Da ist mir nicht die Freude an der Musik vergangen, da hatte ich eher die Genugtuung eines Trotz-Gefühls. Wir haben vor Publikum gespielt; wir haben Orchester eingeladen; wir haben ein Silvesterkonzert – mit drei Solisten und Klavierbegleitung – gemacht, obwohl das Orchester wegen eines ungeklärten Corona-Verdachtsfalls in letzter Minute nicht spielen konnte. Das alles trotz der Pandemie. Ich habe mich irgendwann auf die Position gestellt: Der Lappen muss hochgehen! Und wenn er dann hochgeht, ist es beglückend. Übrigens: Anna Netrebko freut sich schon wieder auf unsere Osterfestspiele. Da kommt sie.

          Wirtschaftlich hat die Pandemie dem Festspielhaus übel mitgespielt. Die Immobilie, bisher in privater Trägerschaft, ging in den Besitz der Stadt Baden-Baden über, wodurch erst möglich wurde, dass das Land Baden-Württemberg Ihnen vier Millionen Euro Strukturhilfe zahlen konnte. In welcher Wirtschaftsform wird es jetzt mit den Festspielen weitergehen?

          Ich muss eines präzisieren: Schon zur Eröffnung des Festspielhauses 1998 wurde vereinbart, dass die Immobilie nach etwas mehr als zwanzig Jahren in den Besitz der Stadt übergeht. Das stand unabhängig von Corona fest. Da gibt es also nur eine zeitliche Koinzidenz, aber keinen kausalen Zusammenhang. Wir bleiben eine private Organisation und sind für Programm und Betriebskosten finanziell zuständig.

          Ist diese Organisationsform tragfähig?

          Sie ist sogar grundsätzlich sehr gut. Ich erlebe hier, dass das Festspielhaus von einer großen Bürgerbewegung getragen wird. Mit Geldbeträgen von wenigen hundert Euro bis zu einer Million im Jahr gibt es hier viele Menschen, die kontinuierlich zum Erhalt des Festspielhauses beitragen. Das beflügelt mich auch.

          Die privaten Zuwendungen durch Förderer und Sponsoren sollen die Strukturhilfe des Landes noch übertreffen, las ich.

          Das Land Baden-Württemberg begriff seine Zuwendung durchaus als Anerkennung für das zwanzigjährige private Engagement, das dieses Haus getragen hat. Und weil das Land half, sahen sich auch die Spender motiviert, noch einmal etwas draufzulegen. Das war lebenserhaltend.

          Würden Sie weitere Einschränkungen des Spielbetriebs verkraften, oder kämen Sie dann an eine Grenze, nach der Sie über grundsätzlich andere Schritte nachdenken müssten?

          Wir haben in den letzten zwei Jahren auf die Pandemie reagiert durch eine völlige Umstrukturierung unseres Programms. Die Saison ist jetzt unterteilt in sieben Festivals, was historisch einmal an die Tradition Baden-Badens als Festspielstadt anschließt, uns selbst aber ein flexibleres Reagieren auf Veränderungen in der pandemischen Lage ermöglicht. Die Sicherheiten, dass wir in dem Umfang und innerhalb der gesetzten Budgetgrenzen, wie geplant, spielen können, sind dadurch größer. Die einzige Unbekannte, mit der wir nicht kalkulieren können, ist die weitere Begrenzung der Zuschauerzahlen. Sollte sie unter die jetzt geltenden fünfhundert Gäste im Festspielhaus fallen, wird es schwer werden für uns.

          Eingespannt zwischen vielen Netzwerken: Benedikt Stampa auf der Bühne seines Hauses
          Eingespannt zwischen vielen Netzwerken: Benedikt Stampa auf der Bühne seines Hauses : Bild: Christian Grund

          Haben Sie ein Abonnentensystem?

          Nein. Wir haben Stammkunden, und wir haben Förderkunden, die für das ganze Jahr Karten kaufen, aber es gibt kein Abo-System. Wir müssen alle Karten im freien Verkauf absetzen.

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