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Salzburger Festspiele : Jeden Tag gibt es hier kleinere Beben

  • -Aktualisiert am

Der Intendant mit dem grünen Daumen: Markus Hinterhäuser Bild: Müller, Andreas

Christian Thielemann ist der ungekrönte König von Salzburg. Sein Reich erstrahlt im Glamour. Doch die wahren Schätze liegen nicht auf der Hofstallgasse.

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          In Salzburg stehe man unter hohem Qualitätsdruck, findet Christian Thielemann. Aber er habe sich gesagt, „wann, wenn nicht jetzt“. Thielemann ist in Hochstimmung und an Selbstbewusstsein hat es ihm nie gefehlt. Es wird von ihm erwartet, es gehört zu seiner Aura. Das ganze Festspielhaus tost und tobt, wenn der Dirigent nach knappen fünf Stunden „Die Frau ohne Schatten“ den Stab senkt, um sich nicht nur vom Publikum, sondern auch von den sonst so heiklen Wiener Philharmonikern frenetisch feiern zu lassen. Von 2013 an wird Thielemann mit seiner Dresdner Staatskapelle die künstlerischen Geschicke der Osterfestspiele prägen. Doch schon jetzt, wo er zum ersten Mal in Salzburg Oper dirigiert, ist er hier der ungekrönte König.

          Genau das strahlt er aus, wenn er in seiner Garderobe im Festspielhaus empfängt: heiter, entspannt, ein gelassenes Siegerlächeln im Gesicht. Das Dirigentenzimmer, in dessen geschätzten 15 Quadratmetern nur ein Klavier, aber kein Flügel Platz hat, sei das einzig Verbesserungswürdige an diesem Festspielbetrieb, sagt er und schmunzelt. Alles andere empfindet er als schlichtweg perfekt: die „wahnsinnig freundlichen“ Mitarbeiter, die unauffällig und reibungslos funktionierende Organisation, die großzügigen Probenbedingungen – und eine phantastische, künstlerisch befeuernde Atmosphäre, die nicht zuletzt auch daraus erwachse, dass unterschiedlichste Künstler und Produktionsgemeinschaften gleichzeitig arbeiteten. „Wenn man weiß, dass das Orchester zum Beispiel morgens mit Riccardo Muti spielt, mittags mit Pierre Boulez und abends mit mir, dann hält man sich total ran.“ Ein bisschen komisch fühlt sich dieser erste Sommer ohne Bayreuth, wo bei den Wagners alles viel familiärer und vertrauter zugeht, schon an für ihn. Doch Thielemann versüßt ihn sich ganz salzburgerisch mit Ausflügen in die Umgebung, einem Quartier in ländlicher Ruhe und dem allmorgendlichen Sprung in den Attersee – und sei er noch so kalt.

          Die Kutscher haben Hochbetrieb

          Seine Pläne für das Osterfestival beflügeln ihn: 2013 wird es einen „Parsifal“ geben, 2014 „Arabella“, danach womöglich zwei Opern aus dem italienischen Repertoire, bevor 2017 Wagners „Meistersinger“ in Salzburg einziehen sollen. In den Karfreitagskonzerten soll, so wünscht es sich Thielemann, außer dem „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms und Beethovens „Missa Solemnis“ unbedingt auch Benjamin Brittens „War Requiem“ gespielt werden. Die Akustik des Großen Festspielhauses empfindet er als tückisch. Denn der Saal stelle jeweils völlig andere Anforderungen, je nachdem, ob er gefüllt sei oder nicht. Doch Flexibilität und die harmonische Atmosphäre mit den Wiener Philharmonikern, von denen er nicht aufhören kann zu schwärmen, begeistern ihn. In Zukunft wird er alles haben: Dresden sowieso, Bayreuth im Sommer und Salzburg zu Ostern.

          Ein gelassenes Siegerlächeln im Gesicht: Christian Thielemann
          Ein gelassenes Siegerlächeln im Gesicht: Christian Thielemann : Bild: dpa

          Inzwischen strahlt, nach dem allfälligen Schnürlregen-Intermezzo, nicht nur Thielemann, sondern auch die Sonne verlässlich über Salzburg. Die Kutscher haben Hochbetrieb, Champagner und Veltliner fließen in Strömen, die Touristen schlängeln sich durch die Getreidegasse und in der ganzen Stadt summt und brummt es vor Musik, Theater und Prominenz. Wem es nicht gelingt, einen der zahlreichen durch die Gassen flanierenden Stars in einer der zahlreichen Promi-Lokale leibhaftig anzutreffen, der kann sich auf die lokale Presse verlassen und wird dort manches erfahren über die vielen Bühnen, die der Salzburger Festspielbetrieb jenseits seiner 14 offiziellen Spielstätten auch noch belebt. Denn wo an 35 Tagen knapp 250 Veranstaltungen geboten werden, da lässt sich der beständig aufs Neue entzündete Kunst- und Darstellungsfunke kaum mehr begrenzen.

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